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2017-09-09

In das Album eines jungen Poeten (8)





In das Album eines jungen Poeten

Nun ist auch dieser Lenz vorbeigelebt;
Wol war es schön, daß wir selbander gingen,
Es läßt so schön im Zwiegesang sich singen,
Es strebt so schön sich, wenn vereint man strebt.

Du ziehst nun ferne zu der blauen See,
Ich bleib' zurück, ach! auf dem trock'nen Lande;
Mein Fuß klebt ewig an dem heimischen Sande,
Wie auch ins Weite treibt mein Reiseweh.

Grüß' mir der Nordsee schaumumwallten Bord,
Grüß' mir die Meerstadt, die zu tiefem Grunde
Gesunken harrt der Auferstehungsstunde,
Grüß' der Tritonen brausenden Accord.

Und kreuzt sich einmal wieder unser Pfad,
Geh' n wieder eine Weile wir mitsammen:
Gibt Gott, daß keine uns'rer innern Flammen
Gelöscht ist in der Zeiten Wogenbad!

Wenn wir uns prüfend dann genüber steh'n,
Auf stummer Lippe die beredte Frage:
Ob jeder frei noch seine Leyer trage,
Gib Gott, daß keiner muß zu Boden seh'n.

Und müssten wir dereinst am frühen Ziel
Bekennen: unser Tun war nur Gewolltes,
Nur ein Versuch, sei's drum, es war ein holdes,
Ein wunderholdes, blütenreiches Spiel.

Nun denn Ade! wann dich das Meer umschäumt
Und du ein Gast bist an Alt-Englands Strande;
Denk' einmal deß auch, der im Heimatslande
Vom Meer und seinen tiefen Märchen träumt.

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