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2017-09-05

J. Kind: Der dreifache Himmel (12)



Der dreifache Himmel

Mit des Abends Rosen kränzte
Schon von fern sich Berg und Au';
In des Baches Wellen glänzte
Noch der Lüfte reines Blau.

Bald erhob ich Liebesblicke
Zu dem Äether, hell und mild,
Senkte bald das Aug' zurücke
Nach dem klaren Spiegelbild.

Nimmer glaubt' ich noch, auch quälen
Könne der Natur Genuß;
Doch bald schwerer ward das Wählen-
Weh mir armen Tantalus!

Lächelnd, wie mit Zephyrs Fluge
Kam, in blendendem Gewand,
Eine Hirtin mit dem Kruge,
Bog sich zu des Baches Rand.

Lieblich glühten ihre Wangen,
Ros'ger, als des Abends Glut:
Wie Cyanen sah ich's prangen 
Unterm gelben Halmenhut.

Recht mich Schmachtenden zu laben,
Sah nach mir sie süß und schlau;
Leider war der Bach kein Graben-
Mir ward Alles himmelblau!

Und im Nu entstand die Frage:
Wo der rechte Himmel sey?
Groß war erst doppelt Tantals Plage,
Gab's nun gar der Himmel drei!

Grüßend floh sie; doch zum Glücke
Fiel der Sonne letzter Schein
Auf den Birkenzaun der Brücke,
Und-bald ging sie nicht allein!

Nahend ihr mit raschem Schritte
Schaut ich ins Cyanenpaar
Und erkannte, daß der dritte

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