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2017-09-18

Jägers Braut: Der Ritter sitzt im weiten Saal (24)



Jägers Braut

Der Ritter sitzt im weiten Saal,
Umkränzt von den Vasallen:
"Heute Töchter wählt mir den Gemahl,
Wählt ihn mir zu Gefallen;
Dann soll des alten Vaters Herz
Sich froh ergehn in Lust und Scherz,
Die Burg ertöne vom Gesang,
Trompetenschall und Hörnerklang.“

Die Erst und Zweite hatten sich
Den Gatten bald genommen,
Und Beide hieß gar ritterlich
Der alte Herr willkommen.
„Nun wähl auch Du, mein jüngstes Kind
Und sei so edel auch gesinnt,
Wie hier Dein holdes Schwesterpaar
Gleich würd'gen Gatten bringe dar.

Und schüchtern tritt das Mägdlein hin
Mit purpurroten Wangen:
„Mein Vater sieh, nicht trägt mein Sinn
Nach Ehr und Ruhm verlangen.
Den Mann, dem sich mein Herz vermählt,
Hat Lieb' allein sich auserwählt,
Es ist der Jäger, den Ihr kennt,
Den Euer Kind als Gatten nennt.“

Da wird ringsum Gemurmel laut,
Hoch tät der Herr sich heben:
„Wohlan, so sei des Jägers Braut,
Dem Knecht wie ich Dich geben:
Der hol Dich morgen in sein Haus,
Doch tilge ich Dich als Tochter aus, neue
Und all Dein Gut, Dir lieb und wert,
Seit Deinem Schwestern nun beschert.

Und ernst darauf der Jäger sich
Vorm alten Herrn verneigend:
"Bei Gott, als Sohn empfängst Du mich,
Sobald der Tag sich zeiget!“
Und wilden Blickes eilt er ab,
Das Mägdlein sich hinweg begab,
Und klaget Gott was sie bedrängt,
Bis milder Schlummer sie umfängt.-

Der Morgen kam, dass Dunkel schied,
Als fern ein Zug sich zeiget,
Und Hörnerklang und Jubellied
Des Ritters Burg erreichet;
Gefolgt vom stolzen Knappentroß,
Auf hohem, goldgezierten Roß,
Mit reicher Rüstung angetan,
Ruft so den Herrn der Jäger an:

„Ich komme jetzt als Schwiegersohn,
Dein Töchterlein zu holen;
Mein Vater sitzt auf Kaisers Thron
Das sag ich unverhohlen;
So gibt mir denn Dein holdes Kind,
Das nicht nach Ehr und Glanz geminnt,
Und Ihr Vasallen rufet laut:
Es lebe hoch die Jägersbraut!“


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