> Gedichte und Zitate für alle: Johann F. Kind: Märzschnee (27)

2017-09-06

Johann F. Kind: Märzschnee (27)



Märzschnee

Toni

Bleibt noch in der Mutter Haus,
Veilchen! Krokusglöckchen!
Denn was hilft mir Kranz und Straus,
Weht der März nicht Flöckchen?

Blumen

Ei, wir möchten gern ans Licht;
Magst du dann uns pflücken.
Früh're Schwestern konnten nicht
Zeit genug dich schmücken.

Toni

Ja, in manchem früheren Jahr
Glich ich noch dem Kinde;
Bleibt, o bleibt! es weh'n fürwahr
Noch recht rauh die Winde.

. Blumen

Doch wodurch ist Frost und Schnee
Dir so lieb geworden?
Rieffst ja immer Ach und Weh,
Blies die Luft aus Norden.

Toni

Zauber übt der Schnee im März;
Den muss man bewahren.
Wißt: vor'm Jahr-noch bebt mein Herz!-
Hab' ich das erfahren.

Eh' ich da voll Blumenlust
Kam in dieser Aue,
Netzt' ich Früh Gesicht und Brust
Mit dem Schönheitsthaue;

Hatte mich recht nett und weiß,
Einfach angezogen;
Lenzluft hob das Hütchen leicht leis
Und die Locken flogen.

Und als ich ein Sträußchen hier
An das Mieder steckte,
Stand ein junger Mann vor mir,
Der mich-sehr erschrecket;

Drückte meine Hand und rief:
„Kann man Hold' res sehen?“-
Als ich, roth vor Angst, entlief,
Seufzt' er und-blieb stehen.

Pflück' ich euch nun dieses Jahr
Mit dem Schnee gewaschen,
Wird mein hübscher Traum wohl war,
Daß er-mich will haschen!

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