> Gedichte und Zitate für alle: König Trojan:„Was blickst du, mein König, so scheu dich um? (25)

2017-09-16

König Trojan:„Was blickst du, mein König, so scheu dich um? (25)



König Trojan

„Was blickst du, mein König, so scheu dich um?
Was starrst du hinaus in die Nacht?
Es liegt ja noch Alles so still und so stumm,
Die Sterne halten noch Wacht.

Was fährst du, mein Buhle, so hastig auf?
Es war nicht der Vögel Gesang;
Vom Felsrand quillet des Brunnens Lauf,
Sein Rieseln, das macht dir bang.

O scheust du dich, mein Buhle traut,
Vor dem wonnigen, sonnigen Licht?
Und liebst nicht der Lerche melodischen Laut,
Rotgoldene Wipfel nicht? „

„Die Morgenröthe, das ist mein Tod,
Ich bin ja König der Nacht-
Es hat das leuchtende Morgenrot
Uns Allen Verderben gebracht.

Mein Vater starb an dem blauen Meer,
Drauf Rosen der Morgen goss;
Meinen Urahn trugen sie kalt daher,
Als der Strahl um die Bergwand floss;

Wir alle sterben im Sonnenlicht-
Geh, winde den Totenkranz,
Oder halt', mein Liebchen, nicht länger nicht-
Weh', schaust du des Ostens Glanz? „

Auf sprang der König: „O Gott, mein Schloss,
Das finstre, wie liegt es so weit!
Errette mich du, windschnelles Roß!
Auf, überhohle die Zeit!“

Der König riss sich von Liebchens Brust,
Es bleichte der letzte Stern,
Jetzt hebt sich die Sonne mit flammender Luft;
Sein Schloss, wie ferne, wie fern!

Der König sprengt in den düstern Fluss,
Er sprengt ins dämmernde Tal;
Frisch wob sich der leuchtende Rosenguss
Um der Kuppen feuriges Mal.

Und tiefer kam das belebende Licht:
„O tummle dich, tummle dich, Roß!“
Wohl flog das Rösslein und wankte nicht-
Bleich ward der Elfengenoss:

„Das ist der erste, der letzte Strahl,
Der je mein Scheitel gesenkt!
Verflucht dich Gott, du schlimmes Tal!“
Vom Roß der König hängt.

Noch wenig Schritte, das sinkt Trojan,
Der nächtige Fürst, ins Moos.-
Ein tiefer Seufzer-dann ist's getan!
Der Zwerge Leid ward groß;

Es ward gar groß der Zwerge Leid
Um den stillen, bleichen Mann,
Indes der Glanz voll Herrlichkeit

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