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2017-09-22

Licht und Liebe: Gott sprach: Es werde Licht! (13)









Licht und Liebe

Gott sprach: Es werde Licht!
Und es ward Licht.

Da rollten die Wolkenwogen,
Die dicht mit dumpfer Nacht
Den trüben Himmel umzogen,
Zusammen vor dem Worte Macht;
Und mit des Blitzes Schnelle fuhr
Der erste Strahl
Vom Sternensaal
Herab zur toten Natur.

Vom allgewaltigen Leben
Begannen die Tiefen der Erde zu beben,
Da wankt' auf grünender Pflanze
Die Knospe, zum flatternden Kranze
Der heiteren stummen Stirnen bestimmt.

Der regten sich sprossende Wälder,
Da rauschten von Keimen die Felder,
Wie, wenn ein Orkan
Auf wallender Bahn
Die Stoppeln sammelt und mit sich nimmt.

Gott ist Lieb' und Licht.
Ohne Licht und Liebe
Ist Erd' und Himmel trübe;
Ohne Licht und Liebe
Wären Erd' und Himmel nicht.

Noch lag ein grauer Schleier
Auf dem entsprossenden Grün,
Noch sah die kindliche Erde nicht
In reinen Licht
Und ewigem Jugendfeuer
Die Mutter Sonne glühn.
Und Frühlingswinde tauchten
Die Flügel in Nebel und hauchten
Den trüben Himmel blau.
Da blüht' im Tagesstrahle
Die Rose zum ersten Male,
Genetzt vom ersten Tau.

Und wie ein ferner Donner,
Durchtönt vom Saitenklang, erscholl
Der Schöpfers Lebensruf;
Und Lieb' entquoll,
Wo der Geist der Welten
Kraft im Leben schuf.
Vom Polypen, der sich kaum bewegt,
Durch ungezählte Stufen
Hinauf zum Herzen in des Menschen Brust,
Das Götternähe fühlt,
Nach Götterhöhe zielt,
Neigst dich, Unerschaffener, du
Nur in Licht und Liebe
Dem Geschaffenen zu!

Seht hinan zur Himmelsferne!
Lernet, was die Schöpfung spricht!
Dort am Himmel tanzen Sterne,
Mücken hier im Sonnenlicht.
Wo die Liebe treibt und leitet,
Zeichnet Licht des Lebens Spur.
Die ihr zur Vollendung schreitet,
Folgt der Lehrerin Natur!
Zündet an der Liebe Flammen
Selbst der Wahrheit Fackel an!
Und ihr habt den Schatz beisammen,
Den kein Zufall rauben kann.


Friedrich Ludewig Bouterweck 1766- 1828





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