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2017-09-22

Ludewig Bouterweck: Der Kirchhof (10)









Der Kirchhof

Wann ich einst, wie sie, entschlummern werde
Die kein Gruß der Morgensonne weckt;
Wann der schmale Hügelchen mit Erde
Meine dunkle Friedenskammer deckt:
Wird dann wohl, wie ich es vorempfinde,
Auf dem dünn begrünten Grabe hier,
Ein Geliebter, nur dem Abendwinde
Hörbar, seufzen: Ach! was war er mir?

Sanfter werd' ich unter jeder Hülle
Niedersinken in die lange Nacht,
Wenn ich weiß, das dann in Feierstille
Noch mein Bild in Freundes Seelen wacht.
Leiser wird des Todes Ruf mir tönen,
Lieblich, wie ein stilles Abendlied,
Wenn ich fühle, dass dann heiß'res Sehnen
Hin nach mir in Freundesseelen glüht.

Aber wenn das Loos nun anders viele?
Wenn nicht an des kalten Führers Hand
Ich voran, voll irrender Gefühle,
Wankte an das unbekannte Land?
Wenn euch mir die hohe Ordnung raubte?
Euch, die sie zum letzten Glück mir gab?
Wenn der Himmel, den ich ewig glaubte,
Mir vor Augen schwand in Nacht und Grab?

Blumen blüh'n in diesem Schattentale
Wenig nur, doch immer ist es schön.
In der Freundschaft Wechselsonnenstrahle
Lässt sich's auch auf Fels und Dornen geh' n.
Könnt ihr, Lieben, könnt ihr mir vergeben,
Was mein Wunsch so eigensinnig spricht?
Euch in diesem Tal zu überleben,
Den Gedanken duld' und denk' ich nicht.

Tränen, die um Mausoleen rannen,
Waren selten wert, geweint zu sein.
Pflanzet dunkle Vaterlandestannen,
Wenn ihr wollt, um meinen Leichenstein!
Lagert sinnend euch beim Sternenscheine
In der Nähe, wo mein Rest verwest!
Oder bügt euch zu dem kalten Steine,
Seht die tiefen Zeilen an, und lest:

„Hier, wo keine Torheit Kränze windet,
Kein Geschick den Traum der Liebe stört,
Wo des Denkers letztder Zweifel schwindet,
Und der Friede jeden Wunsch erhört,
Ruht ein Wandrer, Der sich müde späte
Nach dem Lande, wo die Ruhe wohnt,
Der des Zufalls Gaben leicht verschmähte,
Weite des Freundes Herz mit bessern lohnt.“

Friedrich Ludewig Bouterweck 1766- 1828





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