> Gedichte und Zitate für alle: Die Geologie von Thüringen (Thüringer Becken, Buntsandstein und Muschelkalk usw.)

2017-10-02

Die Geologie von Thüringen (Thüringer Becken, Buntsandstein und Muschelkalk usw.)














Der Thüringer Wald

Der Thüringer Wald besteht aus 4 großen geologischen Einheiten.
1. Das Thüringer Becken
2. Den Thüringer Wald
3. Das Thüringer Schiefergebirge
4. Südwestthüringisches Triasgebiet


1. Geologie Thüringer Becken

Eine flache, schüsselförmige Einmuldung, von Zechstein und Triasschichten, die sich von SW-SO erstreckt und im Süden vom Thüringer Wald, sowie im Norden, von der Hermundurischen Scholle begrenzt wird, nennt man das Thüringer Becken.

2 große Verwerfungszonen von etwa 90km Länge und mehreren 100 m Verwurfshöhe begrenzen das Becken. (SW-Nordostrandstörrung d. Th. Waldes, NO- Finnestörrung) Das Becken endet im SO am Beginn des Thüringer Schiefergebirges. Die Eichsfeldschwelle bildet die Begrenzung zwischen Th.Becken und Hessischer Senke.

Lange Zeit war das Gebiet des Thüringer Beckens von Meerwasser bedeckt. Die Sedimente die sich im Ordovizium, Silur, Devon und Unterkarbon ablagerten wurden durch die varistische Gebirgsbildung zu SW-NO streichenden Mulden und Sätteln aufgefaltet. Sie wurden im Oberkarbon bzw. Unterperm fast völlig abgetragen. Zu Beginn des Zechsteins war das Land fast eben und durch eine Senkung Mitteleuropas drang das Meerwasser ein und es bildeten sich die Schichten des Zechsteins. (Gips, Steinsalz, Kalilagerstätten.)



Nacheinander folgende Hebungen und Senkungen verursachten das die Sedimente des Zechsteinmeeres, abwechselnd über Meeressedimente der Trias abgelegt wurden. Der Buntsandstein ist fast vollständig festländisch. In einigen Schichten auftretende Fossilien belegen große Festlandseen.

Im oberen Muschelkalk wurde Mitteleuropa wieder vom Meer überflutet und zu Beginn des Keupers ragte das Land flach aus dem Meer. In grauen Schiefertonen und braunen Sandsteinen des unt. Keupers vorgefundene Pflanzenreste, sowie kleine Kohleflöze, belegen das diese Schichtfolge festländisch war. Gipse im mittl. Keuper weisen auf einen erneuten Meeresvorstoß hin da ein Eindampfungsprozeß stattgefunden haben muß. Im ob.Keuper ist ein kurzzeitiger Meeresvorstoß zu beobachten was ebenso auf die Schichten der unt. Jura (Lias) zutrifft. (Eisenach-Gotha)

In den nun folgenden Perioden blieb das Thüringer Becken Festland.

Die Zechstein und Triasschichten waren durch Senkung und Sedimentation des varistischen Gebirges in etwa 1000 bis 1500m Tiefe geraten und blieben für die Formung des Thüringer Beckens im wesentlichen ohne Einfluß.

Das Thüringer Becken wurde von der nächst jüngeren Gebirgsbildung, der Alpidischen Tektonese geformt. Die Alp. Tektonese ist der Kreidezeit und und dem Tertiär zuzuordnen. Das Abtrifften von Teilen Westeuropas und die Auffaltung der Alpen, erzeugten in Mitteleuropa ein Spannungsfeld, in dem das Thür.Becken schüsselförmig einsank und zerbarst und daher eine Anzahl saxonischer Störungszonen erkennen läßt. Die NW-SO streichenden Störungen werden in 2 Typen unterschieden. Typ 1 ist gekennzeichnet durch lange, schmale Störungszonen mit Verwerfungen, oftmals als Grabenbrüche. (Ilmtalgraben, Schlottheimer Graben, Saalfeld-Arnstadt-Gothaer Störungszone) Typ 2 zeichnet sich durch weitgespannte, etwas ovale Aufwölbungen über Salzkissen des Zechsteins aus. (Fahner Höhen, Tannrodaer Gewölbe, Ettersberg)

Die Strukturen der saxonischen Tektonik wurden in relativ kurzer Zeit wieder abgetragen und im Tertiär überspannte die damalige Tiefebene das Thür.Becken. Dadurch wurden ältere Gesteine an den aufgebogenen Rändern des Thür.Beckens freigelegt. Die Keuperfüllung des Beckenzentrums wird darum von einen ringförmigen Streifen, indem der Muschelkalk vorherrscht, bestimmt, und um diesen Ring zieht sich ein Ring mit Buntsandsteinlandschaft.

Das Inlandeis des Elsterkaltzeit drang bis in das Thür.Becken vor und füllte diese fast vollständig aus. Die Hinterlassenschaft in Form von Sedimenten, Geschiebelehm und einigen Endmoränen sind jedoch ohne wesentlichen Einfluß auf das Landschaftsbild geblieben. Wichtiger sind die Ablagerungen der eiszeitlichen Flüsse, und in den Tälern, der Flußterassen. Die bedeutenste Hinterlassenschaft sind die im interglazial entstandenen Travertine mit ihren Resten der Pflanzen-und Tierwelt sowie der bedeutenden Funde der Urmenschen von Bilzingsleben und Ehringsdorf.

Buntsandstein und Muschelkalk

Am äußeren Ring des Thüringer Waldes zeichnet sich die Landschaft durch Höhen und Täler in weiten Formen aus. Die vom Buntsandstein aufgebauten Gebiete setzen der Abtragung nur geringen Widerstand entgegen. An einigen Stellen im SO erkennt man noch die Ebene der Tertiärzeit. (Saalfeld-Neustadt/Orla-Kahla)



Auf dem sandigen mittl.Buntsandstein steht Nadel-und Kiefernwald. (Heide bei Triptis) Der nördl.Teil des Bundsandsteinringes um das Thür. Becken liegt schon außerhalb von dessen Nordgrenze und ist als Finnestörung bekannt. ( Ziegelrodaer Forst) Der Muschelkalkring ist eine hohe und tief zerfurchte Landschaft. Die Täler bei Jena oder das Jonastal bei Arnstadt, das Unstruttal, sind als landschaftliche Schönheiten bekannt.

Der ob. Buntsandstein mit seinen weichen Tonen und Mergeln, sowie der mittl. Muschelkalk und die Ceratitenschichten des ob. Muschelkalks bilden mäßig ansteigende Talhänge.

Steile, oft felsige Hänge bildet der 100m mächtige Wellenkalk des ob.Muschelkalks. Das Aussehen der Täler bestimmt das anstehende Gestein unter den Hochflächen, bzw. wie weit und bis zu welcher Schicht der Fluß sich eingeschnitten hat. Im Mittelpunkt des Thür.Beckens hat die Unstrut in den Keuper, der sehr leicht errodiert, eine Auenlandschaft geschaffen die bei Lößauflage landwirtschaftlich fruchtbar ist.




2. Geologie Thüringer Wald und Südwestthüringen

Zwischen 2 Verwerfungen liegend ist der Thüringer Wald ein Horstgebirge das in der Kreidezeit und im Tertiär entstand. Es erstreckt sich in Nw-Sö Richtung. Im Oberkarbon wurden die heutigen Teile des Thüringer Waldes aufgefaltet. Das waren in Sw-Nö Richtung der Schwarzburger Sattel, der Ruhlaer Sattel, die Oberhofer Mulde sowie die Eisenacher Mulde.

Die damalige Landschaft war von den Sätteln der Bergzüge und den Niederungen der Mulden geprägt. Gesteinsschmelzen waren stellenweise in die gefalteten Gesteine eingedrungen und bildeten die heutigen Granitschichten aus. Im Oberkarbon/Perm wurden die Mulden mit Gesteinsschutt ausgefüllt und die Sättel abgetragen. Nach der Abtragung des varistischen Gebirges senkte sich Mitteleuropa und wurde vom Meer überflutet. Durch Sedimentation bildeten sich die Schichten des Zechsteins bis Keuper.

In mehreren Hebungsphasen in der Kreidezeit und im Tertiär entstand der Thüringer Wald als Horstscholle zwischen den Verwerfungen im NO und SW. Um einige hundert Meter herausgehoben, wurde das varistische Gebirge wieder freigelegt. Diese Teile des Thür.Waldes unterliegen heute unserer Beobachtung, während die Schichten im nördlichen und südlichen Vorland tief unter dem Deckgebirge liegen.

Der Aufbau des Thür.Waldes ist kompliziert und nach heutigen Kenntnisstand kann er als eine verdrehte Scholle gelten. Am stärksten herausgehoben ist sie bei Eisenach und fällt zur Werra hin, in südlicher Richtung ab. Fiederförmig ist die Nordrandstörungszone die aus mehreren Teilstörungen aufgebaut ist, jeweils nach NW des Thür.Vorlandes auslaufend, während eine südlich gelegene Verwerfung diese Funktion der Nordrandstörung übernimmt. Diese Verwerfung verläuft über Bad Blankenburg ins Thür.Becken hinein und bildet dort die Arnstadt-Gotha Störungszone. Bei Ilmenau bildet die Ehrenbergverwerfung den Nordrand des Thür.Waldes. Nw von Ilmenau verläuft eine Störungszone die Sö von Ilmenau nachweisbar ist und als Floßbergang bergmänisch von Bedeutung ist. Die Störungszone läuft über Georgenthal nach Waltershausen und tritt dort ins Thür.Becken ein.Die südlich von Friedrichroda liegende Randstörung klingt bei Thal aus und es findet ein allmählicher Übergang zum Vorland hin statt. Die Hebung des Thür.Waldes ist bei Eisenach, wenn auch nicht landschaftlich sichtbar, geologisch intensiv. Auf der Strecke Eisenach-Bad Salzungen fällt der Thür.Wald, geologisch und landschaftlich, allmählich zur Werra hin ab. In Steinbach-Bad Liebenstein verlaufen 2 Störungszonen in Richtung SO und zerlegen die Südabdeckung des Gebirges. Trusetal und  Schmalkalden sind bekannte Bergbaugebiete die an dieser Störungszone liegen und wo man Eisenerz, Flußspat und Schwerspat abbaute. Die Störungszone bildet den Rand des Thür.Waldes im Süden. Weiter im SO vereinigen sich mehrere Verwerfungenszonen zu einer Südrandstörung, das auf der Linie Steinberg-Suhl-Sonneberg, das Vorland vom Thüringer Wald abgrenzt.

3. Geologie Thüringischer Schiefergebirge

Das zwischen Thüringer Wald und Erzgebirge liegende Thüringer Schiefergebirge ist eine angehobene Tafel die nur an wenigen Stellen als eigenständige Erdkrustenscholle zu erkennen ist.








































Die Tafel ist nach NW geneigt, nach S jedoch ohne geologische Grenze und geht in den Frankenwald und das Fichtelgebirge über. Der Untergrund des Gebirges besteht aus sandigen Sedimenten des Kambriums, Ordoviziums, Silurs, Devons und des Unterkarbons. Im Devon sind untermeerische Lavaergüsse eingeschaltet. Diese mehrere Km mächtige Schichtfolge ist im Zuge der varistischen Gebirgsbildung zu Sätteln und Mulden gefaltet worden, die im Oberkarbon und Rotliegenden als Höhenrücken und Talniederungen das Landschaftsbild prägten. Die Gesteine wurden während Gebirgsbildung geschiefert und erhielten durch Druck eine ebene Spaltbarkeit.

In der Folgezeit wurden die Höhen der varistischen Gebirgsbildung wieder abgetragen. Im Laufe der Rotliegendzeit wurde so das ganze Gebirge, bis auf wenige Stellen, eingeebnet.

Das Zechsteinmeer überflutete fast das ganze Gebiet. Die Schichten des Buntsandsteins, Muschelkalkes und teilweise die des Keupers wurden abgelagert. Das Thüringer Schiefergebirge wurde in der Tertiär-und Kreidezeit erneut angehoben und im folgender Zeit wieder abgetragen.

Im Tertiär entstand so eine flache Ebene durch die die Kerne der Sättel und Mulden der varistischen Gebirgsbildung freigelegt wurden.

Die alten Schichten des varistischen Gebirges tauchen im NW unter die Schichten des Zechstein und Trias des Thüringer Beckens. Nach NO unter das Rotliegende des Erzgebirgsbecken und im SW grenzt das Gebirge an das Rotliegende der Oberhofer Mulde.

Durch die Hebung im Südteil, und der Kippung nach Norden, am Ende der Braunkohlezeit, schnitten sich die Flüsse tiefe Täler. Die heutige Landschaft ist eine von Tälern zerschnittene und von einigen Bergen überragende Hochfläche.


Der Kreislauf der Gesteine

Streckeisendiagramm
Übersicht Fundstellen


Quellenverzeichnis:

Otfried Wagenbreth, Walter Steiner Hrsg.: Geologische Streifzüge: Landschaft und Erdgeschichte zwischen Kap Arkona und Fichtelberg:Springer Verlag 1990 ISBN: 978-3-662-44728-4

Prof. Dr. Gerd Seidel: Geologie von Thüringen: E. Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 2003 ISBN: 3-510-65205-3

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