> Gedichte und Zitate für alle: F.v.Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters-Inhalt und Einführung

2017-11-13

F.v.Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters-Inhalt und Einführung




Die politischen Gedichte erschienen 1841. Dingelstedt wurde so, wenn auch nur kurze Zeit, zu einer der politisch führenden Dichter des Vormärzes in Deutschland. 

Der erste Abschnitt, "Nachtwächters Stilleben" beinhaltet schwungvolle Gedichte in der sich der Nachtwächter um die politische Zukunft Deutschlands Sorgen macht. 

Weib, gib mir Deckel, Spieß und Mantel,
Der Dienst geht los, ich muß hinaus.
Noch einen Schluck ... Adies Mariandel!
Ich hüt' die Stadt, hüt' du das Haus!



In einer Fiktion stößt er auf die politischen Mißstände der Restauration. In den Gefängnissen sitzen Bauern, die verschuldet sind und die Gläubigen können ihren Dom nicht betreten, weil dieser in eine Festung verwandelt wurde. Der Abschluß dieses Abschnitts bildet ein neues Rheinweinlied das als eine Anspielung auf N. Beckers Gedicht die Wacht am Rhein zu verstehen ist. 

Im Hauptteil der Sammlung "Nachtwächters Weltgang" beschreibt Dingelstedt die deutsche Kleinstaaterei. In sogenannten Stazionen sieht der Nachtwächter sich in den Zentren des Deutschen Reiches um. Frankfurt, die Stadt des deutschen Bundestages, erscheint ihm als ein käufliches Nest und in München fällt ihm der Griechenkult Ludwig des I. auf und den immer noch an den oberen Tischen schlemmernden Klerus. Wien erscheint ihm als eine "schönen Buhldirne" :

Buhldirne Du, die hinter der Gardine
Allnächtlich ihre Phallos-Feste feiert,
Und morgens früh mit Magdalenen-Miene
Im Beichtstuhl heuchelnd ihr »Absolve« leiert;
Kannst Du mit Wollust nur ein Leben würzen,
Dem jede geist'ge Kraft und Weihe fehlt,
Und nur in des Genusses Abgrund stürzen,
Von keinem heiligeren Drang beseelt?


Er fordert die österreichischen Dichter auf ihre Kunst weiter für eine bessere politische Zukunft einzusetzen. Gemeint sind A.Grün und N. Lenau. Das dritte Staziönchen enthält, als Gedichtüberschriften, und somit als Motto, die Verse aus bekannten Liedern:

1. Das Volk steht auf, der Sturm bricht los.
2. Heil unsern Fürsten, Heil.
3. Hoch klingt das Lied vom braven Mann.

Die Sammlung enthält Sonette, Stanzen und Ghaselen. Insgesamt ist die Sammlung jedoch in einem moralisierenden Pathos geschrieben und Dingelstedt erlaubt sich, wie auch in späteren Gedichtsammlungen, metrische Eigenheiten die eher an einen Provinzler als an einen Weltmann erinnern. Zwischen dieser Sammlung und der politischen Lyriks Heines liegen Welten wenn auch Dingelstedts Sammlung recht erfolgreich war. 


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