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2017-11-12

H. Heine: Atta Troll- Inhalt, Entstehung und Bedeutung





Heine begann im Jahr 1841 mit der Arbeit an dem Poem "Atta Troll" das er bereits 1842 vollendete. Die Satire erschien 1843 in der "Zeitung für die elegante Welt" ( redigiert von seinem Freund Heinrich Laube) und 1847 in Buchform. Schon im Vorwort macht Heine deutlich wie sehr ihn die politische Dichtung seiner Zeit missfällt und bringt seine Abneigung gegen die vorherrschende Tendenzliteratur zum Ausdruck.
Das Poem verfolgt 2 Ziele: ein politisches sowie ein literaturkritisches Ziel. Die gesamte Dichtung ist in einem ironischen Grundton geschrieben der bewußt durch übertriebene pathetische, elegische usw. Tonarten durchbrochen wird. Insgesamt ist das Werk durchaus satirisch und Ernst, Ironie, berechtigte Kritik und persönliche Ausfälle Heines geben dem Poem seine Prägung.

Mit seiner Dichtung knüpft Heine an die traditionelle Tierdichtung der Aufklärung an und der Held des Poems, Atta Troll, ist der deutsche "Tendenzbär" der die Gemeinsamkeit und Gleicheit aller "Tiere" predigt: 


»Schreiben Esel nicht Kritiken?
Spielen Affen nicht Komödie?
Giebt es eine größre Mimin,
Als Batavia, die Meerkatz'?

»Singen nicht die Nachtigallen?
Ist der Freiligrath kein Dichter?
Wer besäng' den Löwen besser
Als sein Landsmann, das Kamel?

Atta Troll flüchtet aus der Gefangenschaft seines Bärenführers und kehrt in seine Heimat zurück. Dort, im Pyrenäenwald, erzählt er von den Menschen und ihrer Schlechtigkeit. Mit scheinbarer Logik und rednerisch geschickt karikiert Atta Troll die oppositionellen Strömungen in Deutschland. 

Menschen, seid ihr etwa besser,
Weil ihr Wissenschaft und Künste
Mit Erfolg betreibt? Wir andre
Sind nicht auf den Kopf gefallen.

Gibt es nicht gelehrte Hunde?
Und auch Pferde, welche rechnen
Wie Kommerzienräte? Trommeln
Nicht die Hasen ganz vorzüglich?

Hat sich nicht in Hydrostatik
Mancher Biber ausgezeichnet?
Und verdankt man nicht den Störchen
Die Erfindung der Klistiere?

Schreiben Esel nicht Kritiken?
Spielen Affen nicht Komödie?
Gibt es eine größre Mimin,
Als Batavia, die Meerkatz’?

Schließlich wird er von dem Jäger Laskaro, der vom nun selbst auftretenden Dichter begleitet wird, erlegt, (als Symbol des letzten Romantikers) während seine Frau die er zurückgelassen hatte, zu guter Letzt im Pariser Jardin ein Unterkommen findet. Bevor Atta Troll erlegt wird hat der Dichter in den Pyrenäen eine letzte Vision vom romantischen Zauberwald, den Feen und Nixen. Mit dem Tod Atta Trolls stirbt für Heine auch die Zeit der Romantik der er an seinen dichterischen Anfängen angehörte. Der Tod Atta Trolls des letzten "Vertreter des freien Waldes und Liedes"  ist wohl so zu verstehen das Heine die Romantik für nicht mehr zeitgemäß und überholt hält.

Der "Atta Troll" von H.Heine ist in seiner Gesamtheit eine kühne Dichtung die die deutsche Opposition, auf allerhöchsten künstlerischen Niveau, satirisch angreift und bloßstellt. Im letzten Kapitel, das Varnhagen von Ense gewidmet ist blickt der Dichter auf seine dichterischen Jugendträume zurück:

»Klang das nicht wie Jugendträume,

Die ich träumte mit Chamisso
Und Brentano und Fouqué,
In den blauen Mondscheinnächten?

Ist das nicht das fromme Läuten
Der verlornen Waldkapelle?
Klingelt schalkhaft nicht dazwischen
Die bekannte Schellenkappe?

Ganz am Ende der Dichtung beweist Heine nochmals seine jederzeit verfügbare Ironie und seinen ausgeprägten Witz. 

Andre Zeiten, andre Vögel!
Andre Vögel, andre Lieder!
Sie gefielen mir vielleicht,
Wenn ich andre Ohren hätte!



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