> Gedichte und Zitate für alle: Literaturepoche Barock: Die Dichtungsreform von Martin Opitz Teil 2

2017-11-13

Literaturepoche Barock: Die Dichtungsreform von Martin Opitz Teil 2










Martin Opitz war der Sohn eines Metzgers und  wurde am 23. Dezember 1597 in Bunzlau geboren (Herzogtum Schweidnitz-Jauer) und starb am 20. August 1639 in Danzig. Martin Opitz begründete die schlesische Dichterschule und ist der bedeutenste Literaturtheoretiker seiner Zeit dessen Einfluss bis ins nächste Jahrhundert reicht.



Martin Opitz

Opitz studierte nach dem Besuch der Lateinschule in seiner Heimatstadt, Philosophie und Jura in Heidelberg. (ab 1619) Als der 30jährige Krieg Heidelberg erreichte verließ Opitz die Stadt und war in den Niederlanden als Hauslehrer tätig. 1623 kehrte er nach Schlesien zurück und wurde nach kurzer Zeit zum  Rat am Hof zu Breslau bei Herzog Georg Rudolf von Liegnitz ernannt. Hier veröffentlichte er im Jahr 1624 sein Hauptwerk das "Buch von der Deutschen Poeterey". Im Jahr 1629 wurde Opitz nach vielen Quelereien Mitglied in der " Fruchtbringende Gesellschaft." Die Gesellschaft war die größte deutsche Sprachakademie und hatte rund 900 Mitglieder die zumeist adeliger Herkunft waren. (gegr. 1617) Nach weiteren wechselvollen Jahren starb Opitz im Alter von nur 41 Jahren in Danzig an der Pest die in der Stadt wütete.

In seinem 1824 erschienenen Hauptwerk fordert Martin Opitz die Verwendung der hochdeutschen Sprache und orientiert sich an den Normen der antiken Rhetorik (Redekunst) da diese in ihrer Zeit mit der Poetik unmittelbar verbunden war. 

Die wichtigsten Regeln die für die Weiterentwicklung der Lyrik von großer Bedeutung sind betreffen Metrik und Reim. Mit seiner Lehre über Stil und Verskunst gelang es Opitz eine theoretische Grundlage für die deutsche Poesie zu schaffen. Er fordert die Reinheit des Reimes und lehnt unreine Reime ab, wobei er unter unreinen Reimen Reime versteht, die nur annähern in ihrer Lautfolge der Reimsilben übereinstimmen. (unreine Reime: Höhn-stehn, Blick-Glück, sprießen-grüßen usw.)  


Buch von der deutschen Poeterey

Beispiel: H.Heine 

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute
Klinge, kleines Frühlingslied
Kling hinaus ins Weite.

Ein Beispiel für reine Reime: H. Heine "Frühling"

Das knospet und quillt, mit duftender Lust
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust:
Wem geb ich meine Kränze?


In der Versbehandlung führt Opitz 2 Neuerungen die im wesentlichen das Neuartige der Dichtungsreform ausmachen: 

1. Versakzent und natürlicher Wortakzent sollen deckungsgleich sein.

Das bedeutet das die Silben wägend (wägend: Wechsel von starken und schwachen bzw. schweren und leichten Silben)  sein sollen und das die Betonung auf ihnen liegt. (lateinisch accentus-auf deutsch Betonung) Die Poesie von Opitz  ist somit Silben wägend statt Silben zählend.

2. Aufgabe der freien Taktfüllung

In der deutschen Sprache gibt es zwei Verssysteme: 

1. syllabo-tonische: z.b Trochäus, Jambus [regelmäßige Taktfüllung] 

2. tonische-akzentuierte: z.b Volkslied, Knittelvers [unregelmäßige Taktfüllung]

In der Konsequenz heißt das, das Opitz Knittelverse und Volkslied ablehnt und nur noch in den Versfüßen Jamben und Trochäen, entsprechend der antiken Vorbilder, für opportun hält. (Jamben und Trochäen verwendet Opitz als Fachausdruck beachtet aber dabei das Spezifische der deutschen Sprache)

(Verfuß: ein Verfuß besteht aus mehreren Silben deren Anzahl und Eigenschaften festgelegt sind, wobei mit Eigenschaften betonte oder unbetonte Silben gemeint sind)

Durch die Reform von Opitz erhält die Lyrik eine völlig neuen Unterbau was Stil und Inhalt entscheidend beeinflußt. 

Die Folgerungen die sich aus der Reform von Opitz ergeben sind an dieser Stelle nur angedeutet da die Ausführungen sich an Lyrikliebhaber wendet und keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt. Zusammenfassend kann gesagt werden:

-Durch seine Regeln gibt Opitz den Dichtern ein Werkzeug für das "Handwerk" Poesie in die Hand.----------

-Die Forderung von Opitz die hochdeutsche Sprache zu verwenden ist ein großer Fortschritt für die Herausbildung einer deutschen Nationalliteratur und reicht in ihrer Bedeutung bis weit in die Aufklärung hinein. Einige der von Opitz aufgestellten Regeln haben ihre Gültigkeit, spezifiziert, bis in die Gegenwart beibehalten.

-Opitz fordert ein klares gedankliches Gefüge.


-Antike Mythologie soll reichlich verwendet werden 
Stadtansicht Heidelberg

-Im Gegensatz zur Tragödie in der meist Adelige die handelnden Personen sind empfiehlt Opitz für die einfachen Leute eine pomphafte Umschreibung von einfachen Dingen. (Diese Forderung von M.Opitz wird stilprägend für die Barockzeit.)

Das "Buch von der Deutschen Poeterey" ist nicht als Geniestreich von Opitz, das aus dem "Nichts" entstanden ist,  zu werten, denn schon früher hatte er sich mit dem Thema beschäftigt und dazu theoretische Werke publiziert oder sich in Heidelberg mit befreundeten Dichtern über die Thematik gedanklich ausgetauscht. 







Bücher: 

Haller, Rudolf-"Geschichte der deutschen Lyrik"-Franke Verlag Bern und München 1967
Petersdorff, Dirk von-Geschichte der deutschen Lyrik"-Verlag C.H.Beck  2008      ISBN  9783406536342
        

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