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2017-11-11

Schäferdichtung: eine Spätform der europäischen Literatur.............


Vier Jahrhunderte lang, von der Renaissance bis zur Aufklärung, war die Schäferdichtung eine in Europa weit verbreitete Gattung. Im 18. Jahrhundert war das Ende dieser Literaturgattung gekommen feierte aber im selben Jahrhundert, als Idylle ein neue Auferstehung.

Schäferdichtung  gehört nach der Klassifikation von Vergil und Servius zu den sogenannten niederen Literaturformen. Als hohe Literaturform wurde das Epos  (z.b. Aeneis) und die Tragödie, zur mittleren alle Lehrdichtungen gezählt. Seit der Festlegung von Vergil und Servius wurde alle Thematiken in die Schäferdichtung integriert aber stets, wie für die Dichtungsart typisch, verhüllt oder versteckt. (allegorisch)
Schäferdichtung

Hirten.-bzw. Schäferdichtung  ist  eine Spätform der europäischen Literatur auch Bukolik bzw. Pastorale genannt,  (boukolos-Rinderhirt, pastor-hirte) Epos und Tragödie sind Schöpfungen der Antike und in hellenistischer Zeit wurde durch Theokrits eidyllia eine kleine frühe Form des Hirtengedichts kreiert. Im 2. Jahrhundert v.Cr. kam Vergil mit den Handschriften Theokrits in Berührung und dichtete 10 Eklogen (Sammelwerk von Gedichten auch- ausgewähltes Gedicht) die als die Grundlage für die europäische Schäferdichtung gelten. Vergil nahm in sein Werk das sogenannte Regentenlob auf und verbindet so in seiner Hirtendichtung die niederste und höchste Form der Literatur. Die Hirten in Vergils Dichtung huldigten dem Regenten in pastoraler Verschlüsselung.
( links: William-Adolphe Bouguereau-Junge Schäferin)

In der Renaissance begann die Hochzeit der europäischen Schäferdichtung. Dante, Petrarca und Boccaccio nahmen das Erbe von Vergil an und andere Dichter Europas eiferten ihnen nach. Dante schrieb seine Eklogen auf italienisch, was den Protest der meist in lateinischer Sprache dichtenden Zeitgenossen hervorrief. Ähnlich wie später Opitz in Deutschland wollte Dante für Italien die italienische Sprache durchsetzten. Dantes Ziel war es die italienische Sprache für alle Schichten zu erschließen. Damit war die Form der europäischen Ekloge geboren da die italienische Sprache das poetische Medium war.

Die schäferliche Liebesdichtung erfreute sich bei den Humanisten großer Beliebtheit. auch sie greift auf Antike Vorbilder zurück. Genau wie dort ist in Europa Liebesleid oder versagte Leidenschaft das bestimmende Thema. Selten werden Glück oder Erfüllung besungen.

In der Renaissance vollzog sich auch der Übergang von der Ekloge zum Schäferdrama bzw. den Schäferroman. Torquato Tasso war es der das Schäferdrama zum Durchbruch verhalf und dem zahlreiche andere Dichter nacheiferten. Italiener waren es auch die den Schäferroman als erste pflegten der sich dann über Europa ausbreitete.

Weite Verbreitung fand auch die geistliche Schäferdichtung die ihre Motive oft aus der Bibel übernahm. (Christus der gute Hirte, Der Herr ist mein Hirte usw.)

Die Rückständigkeit in Deutschland verhindert, wie etwa In England oder Holland, das die Schäferdichtung wirklich wahr genommen wird. Erst mit Verspätung setzt sie sich auch in Deutschland durch. Der Gattungsbegriff wird in Deutschland erst im 18. Jahrhundert geprägt. Im 17. Jahrhundert wird wird die Schäferdichtung u.a. von Opitz oder Birken gepflegt. Großformen der Dichtungsart, wie man es aus anderen Teilen Europas kennt, hat es in Deutschland in der Zeit nicht gegeben. Meist waren die in Deutschland der Dichtungsart zuzurechnenden Werke Übersetzungen, Gelegenheitsdichtungen oder Nachahmungen. 

Kleine Schäferspiele die nicht sonderlich anspruchsvoll waren haben z.b. Gellert, Ramler oder auch Gleim verfasst. Die geistliche Schäferdichtung hatte mit F. v. Spees "Trutz Nachtigall" bereits um 1650 ihre Höhepunkt in Deutschland erreicht. Erst mit Gessner bzw. Goethe konnte Deutschland nach 2. Jahrhunderten wieder an die europäische Literatur anknüpfen. 


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