> Gedichte und Zitate für alle: W. Busch: Einführung und Bedeutung "Die fromme Helene"

2017-11-12

W. Busch: Einführung und Bedeutung "Die fromme Helene"





"Die fromme Helene" erschien 1872 im Bassermann-Verlag. Insgesamt hat die Bildergeschichte 17 Kapitel die das Leben der frommen Helene beschreibt. Entgegen der Vorstellungen der Bildungsbürger der damaligen Zeit schildert Busch das Leben der frommen Helene als einen stetig Widerspruch zwischen der Moral der Kleinbürger und ihren nicht beherrschbaren sexuellen Bedürfnissen. Schon als Kind muß sie sich mit der scheinheilige Moral ihres Onkels Nolte auseinandersetzen und begehrt dagegen auf.

»Helene!« - sprach der Onkel Nolte -
»Was ich schon immer sagen wollte!
Ich warne dich als Mensch und Christ:
Oh, hüte dich vor allem Bösen!
Es macht Pläsier, wenn man es ist,
Es macht Verdruß, wenn man's gewesen!«


Nach dieser Belehrung nimmt sich Helene Noltes Nachthemd vor und näht Hals und Ärmel zu. So dringt sie in des Onkels Intimsphäre ein und das Gezeter und Geschrei das der Onkel veranstaltet bereitet ihr große Freude. Immer wenn es bei Busch um die Aufdeckung der Trieb,- bzw. Intimsphäre geht, ist das Unglück nicht weit entfernt. So reißt Busch die Fassade, von der angeblich so sittlichen Welt der Kleinbürger und sie stehen nackt vor dem Leser.



Helene nun fast erwachsen beobachtet durch Schlüsselloch die tägliche Wäsche des Vetters Franz. Sie fällt die Treppe herunter und wieder richtet sie in der Familie Chaos an. Ein Frosch, den Franz in die Tabaksdose des Onkels geschmuggelt hat erschreckt diesen zum Tode und als er der Tante: 



Putsch!! - Ach, der Todesschreck ist groß!
Er hupft in Tante ihren Schoß.
Der Onkel ruft und zieht die Schelle:
»He, Hannchen, Hannchen, komme schnelle!«

Und Hannchen ohne Furcht und Bangen
Entfernt das Scheusal mit der Zangen.
Nun kehrt die Tante auch zum Glück
Ins selbstbewußte Sein zurück.
Wie hat Helene da gelacht,
Als Vetter Franz den Scherz gemacht!

Nun hat Helene bei Onkel und Tante jeden Kredit verloren und muß das Haus verlassen. Während sie auf den Mann wartet der sie zur Gattin machen soll, gibt  sie einige Proben ihren "guten Erziehung", die sie bei Onkel und Tante erhalten ab. Sie legt Feuer an  den Schwanz einer Katze wobei Busch den Schwanz  als ein männliches Sexualobjekt meint und Helenes unerfüllte Triebe grotesk karikiert.

Endlich heiratet Helene aber ihre Ehe bleibt kinderlos weil ihr Mann, wie man nach der Hochzeitsnacht vermuten kann, eher etwas von Essen und Trinken hält und nichts von seinen ehelichen Pflichten. Helene unternimmt eine Wallfahrt und trifft dort ihren ehemaligen Vetter Franz der nun Pater ist. Nach Ablauf der Frist bringt sie endlich Zwillinge zur Welt während ihr Mann an diesem Tag an einer Fischgräte im Hals stirbt. Pater Franz wird von einem eifersüchtigen Hausdiener erschlagen und Helene entschließt sich in Askese zu leben. Ihre letzte Liebe ist der Likör an dem sie auch zugrunde geht. 

In seinem Werk stellt W.Busch offen den Konflikt zwischen Trieb und der heuchlerisch bürgerlichen Moral dar. Da wo er nicht mehr offen sprechen kann oder will vollendet der Zeichner die Aussage.

Das Werk hat eine antiklerikale Grundhaltung und wendet sich gegen Heuchler und falsche Moralisten.


„Ein guter Mensch gibt gerne acht,
Ob auch der andre was Böses macht;
Und strebt durch häufige Belehrung
Nach seiner Beß’rung und Bekehrung“

Als am Ende der Teufel die Seele Helenes holt ist das wohl als eine Abage an die bürgerlichen Moralvorstellungen zu verstehen.

Oft wird die Ansicht vertreten das die Bilder und Texte von Busch reine Belustigung sind und allenfalls für Kinder taugen. Aber "Die fromme Helene" sind eine ernsthafte  Einschätzung und Auseinandersetzung mit der Gesellschaft seiner Zeit die der Dichter überhöht und satirisch mit der "Helene" darstellt. Die Kritik von Busch ist oft beißend und muß Heuchler und religiösen Eiferer tief getroffen haben.
Vor dem Erscheinen seines Werkes hatte sein Verleger ernsthafte Bedenken angemeldet und die Befürchtung geäußert, man könne wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften angeklagt werden. Die Aufforderung Änderungen vorzunehmen hat Busch glücklicherweise abgelehnt. 



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