> Gedichte und Zitate für alle: W. Busch: Max und Moritz-Bedeutung und Entstehung

2017-11-12

W. Busch: Max und Moritz-Bedeutung und Entstehung




Als Entschädigung für einen verlegerischen Mißerfolg einer seiner Bildergeschichten bot W.Busch seinen Verleger H.Richter das Manuskript von Max und Moritz unter Verzicht von jeglichen Honorarforderungen an. Dieser lehnte aber ab da er keine Verkaufsaussichten für das Werk sah. So bekam Buschs alter Verleger für die einmalige Zahlung von 1000 Gulden die Rechte an dem Manuskript. Zuerst ging der Absatz sehr schleppend aber im Todesjahr von Busch war bereits die 56. Auflage erschienen und man hatte 430.000 Bücher verkauft.

Veröffentlicht wurde das Werk im Jahr 1865 und zählt somit zum Frühwerk des Dichters. Die Geschichte beginnt mit erhobenen Zeigefinger und verweißt darauf das sie für alle "Spitzbuben" zutreffend ist.


Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen;
Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten. –
– Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit! –
– Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschen stehlen ––

Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle. –
– Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!! –
– Ach, das war ein schlimmes Ding,
Wie es Max und Moritz ging.
– Drum ist hier, was sie getrieben,
Abgemalt und aufgeschrieben.

In insgesamt 7 Streichen ärgern zwei Jungen die Bewohner eines Dorfes in dem sie ihnen üble Streiche spielt. Aber schon der 6. Streich gelingt ihnen nicht mehr vollständig denn sie werden vom Bäcker in ein Brot eingebacken und können nur mit Mühe und Not entkommen. Der 7. Streich führt zu ihrem Tode als der Müller sie in seiner Mühle zermahlt. Zuvor aber spürt die Schadenfreude die der Dichter beim schreiben seiner Bildergeschichte hatte. Der Epilog bringt die Freude aller zum Ausdruck das die Beiden das Geistliche gesegnet haben. 


Witwe Bolte, mild und weich,
sprach: „Sieh da, ich dacht es gleich!“
„Ja, ja, ja!“ rief Meister Böck,
„Bosheit ist kein Lebenszweck!“
Drauf, so sprach Herr Lehrer Lämpel:
„Dies ist wieder ein Exempel!“
„Freilich!“ meint der Zuckerbäcker,
„Warum ist der Mensch so lecker!“
Selbst der gute Onkel Fritze
sprach: „Das kommt von dumme Witze!“
Doch der brave Bauersmann
dachte: „Wat geiht meck dat an?!“
Kurz im ganzen Ort herum
ging ein freudiges Gebrumm:
„Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei
mit der Übeltäterei!!“

Wie Wilhelm Busch selber erklärt entstanden zuerst die Zeichnungen und der Text wurde danach geschrieben. Die Original-Handschrift ist erhalten und befindet sich im W.-Busch-Museum in Hannover. 

Wie immer bei Busch stammen die Geschädigten bzw. Opfer aus dem kleinbürgerlichen Milieu dessen Heuchelei und Spießigkeit immer wieder den Spott und der Kritik des Dichters hervorrufen. Da ist die Witwe Bolte deren einziger Lebenszweck drei Hühner und ein Hahn sind und die nach der "Ermordung" ihrer Tiere mit leeren Händen dasteht. Oder die zweifelhaften Erziehungsversuche vom Lehrer Lämpel der eine Attacke gegen seine Pfeife erdulden muß und an seiner Borniertheit und Selbstzufriedenheit krankt:

Und voll Dankbarkeit sodann
Zündet er sein Pfeifchen an.
»Ach!« – spricht er – »die größte Freud'
Ist doch die Zufriedenheit!!!«

Busch überspitzte Darstellung der Streiche von Max und Moritz ist ein Ausflug ins Unwirkliche und Groteske mit der der Dichter seinen schadenfrohen Spott und seine Lust auf die Provokation über die Kleinbürger ausschüttet. 

Eine tiefere Bedeutung der Geschichte wird von den meisten Literaturwissenschaftlern nicht in Betracht gezogen da Busch selber dazu sagt das er sie zum eigenen "Nutz und Plaisir " erdacht hat.

Die saloppen Reime und der glatte Rhythmus des gesamten Werkes scheinen für Kinder wie gemacht. Die Verse sind leicht erlernbar und Geschichte prägt sich in Ihrer Einfachheit leicht ein. 


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