> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Johann Otto Thiess: Neujahrslied (15)

2019-01-29

Gedichte von Johann Otto Thiess: Neujahrslied (15)




Neujahrslied

Von dir, o Vater, haben wir
die Zeit, in der wir leben,
und doch ist keine Zeit bei dir,
was kannst du, Herr, nicht geben!
Du gabst sie uns für diese Welt,
die deine Hand schuf, und erhält,
und die dich nicht umschliesset.

Wie sich der Strom ergießt ins Meer,
des Feldes Blume schwindet,
so eilet unsre Zeit daher,
ach, iede Stunde findet
in iedem Augenblick ihr Grab;
mit iedem Morgen wechselt ab
der Mittag und der Abend.

So manche Jahre sind mir nun
schon auf der Welt verflossen
so manche meiner Brüder ruhn,
sie, meines Laufs Genossen.
Noch sezze ich ihn muthig fort,
doch bin auch ich vielleicht bald dort,
am Ziele meiner Wallfahrt.

Laß mich des Lebens Flüchtigkeit
oft ernsthaft überlegen,
und laß mich Tod und Ewigkeit,
o Vater, wohl erwägen!
Die Zeit geht hin, der Tod kommt her,

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