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2019-01-29

Gedichte von Johann Otto Thiess: Phantasien bei Mondenschein (16)




Phantasie bei Mondenschein

Du falbes Mondenlicht! gehst du schon wieder
Aus deinem dunkeln Kämmerlein hervor?
O Harmvertraute! bange Klagelieder
Seufz ich, und seh, wie du, durch düstern Flur.

Du blinkest wol auf hohe Lagerstäten,
Wo Könige der Wollust pflegen, hin,
Doch würd'st du nicht, wenn sie dich traulich bäten,
Auch durch der Armen Klagehütten ziehn?

Du thust ia, dein Feuerblick zertheilet
Durch alle Gegenden der Erde sich,
Doch bei dem schwärmerischen Trübsinn weilet
Er länger gern, drum harr ich so auf dich.

Umleuchte nur den Wandrer, den mit Sorgen
Bebürdet, iedes Wipfelweher schreckt,
Umleucht ihn freundlich, bis der junge Morgen
Um ihn den Äehrenpomp der Fluren weckt!

Leucht hie und dorthin, aber o du milde
Nachtwandlerin!-ein Strahl von deinem Lichte
Senk sich auf mich, daß in dem Schattenbilde
Der Schwermuth auch ein Hoffnungsschein bricht!

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