> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Johann Otto Thiess: Pilgerlied am Neujahrstage (18)

2019-01-29

Gedichte von Johann Otto Thiess: Pilgerlied am Neujahrstage (18)






Pilgerlied am Neujahrstage

Zurückgelegt ist abermal
ein Theil der Wanderschaft,
durch Feld und Wald, durch Berg und Thal,
und das durch Gottes Kraft.

Oft ward uns unsre Wallfahrt schwer,
oft wankte unser Schritt.
Fast trostlos gingen wir einher
bei manchem sauren Tritt.

Ein Ungewisser stieg herauf,
und um uns her ward Nacht,
Und harte Schläge folgten drauf,-
gottlob, es ist vollbracht!

Doch noch ist er nicht durchgemacht,
der Lauf zum Ziel hinan.
Nur eine Strecke ist vollbracht,
ein neuer Weg hebt an.

Wie? ist der schon für uns vielleicht
der Wallfahrt letztes Feld?
ist mit ihm schon das Ziel erreicht
für eine beßre Welt?

Wie? wandeln wir wohl nicht einmal
hindurch dies neue Feld?
ist dort vielleicht im stillen Thal
schon unser Grab bestellt?-

Kehrt gleich der Blick, dahin gewagt,
geblendet fast zurück
so wünschen wir doch unverzagt
uns zu der Reise Glück!

Führt sie auch in ein finstres Thal;
so zittern wir doch nicht,
wir weilen still im finstern Thal,
Und denken: es wird Licht!

Auch über Gräber wandeln wir
mit einem heitern Sinn,
und stehn und sehen, Gott, nach dir,
und deinem Himmel hin!

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