> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Johann Otto Thiess: Gottesdienst (9)

2019-01-28

Gedichte von Johann Otto Thiess: Gottesdienst (9)






Gottesdienst

Unmöglich ist es, Gott zu dienen,
auch selbst der Seraf kann das nicht;
wie will sichs denn der Mensch erkühnen,
dem es weit mehr an Kraft gebricht?
Der Schöpfer Himmels und der Erden
bedarf des Menschen Pflege nicht.
Er spricht ein Wort, und Sonnen werden,
und aus der Finsternis wird Licht.

Daß du ihn rühmst, im dankst, ihm singest,
oft an ihn denkst, ist für dich Pflicht,
doch ihm, dem Allerhöchsten, bringest
du damit noch kein Opfer nicht.
Sein Glück wird wahrlich nicht vermehret,
so wenig wie er Freud vermißt,
ob ihn der Mensch-der Staub!-verehret,
ob ihn sein Herz, sein Mund, vergißt.

Ihm selbst, dem Höchsten, ähnlich werden,
das ist an dich sein hoher Ruf.
O Mensch, bedenk, wozu auf Erden
zu welchen Himmel Gott dich schuf!
Ihm dienen, heißt, das Gute lieben,
wie er, der gute Gott, es liebt,
und, wo wir können, Gutes üben,

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