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2019-01-25

Gedichte von Karl Lappe: Das Tal am Berge (4)




Das Tal am Berge

Der Wald am Berge,
Der Wald am Bach,
Der Buchenschatten,
Der Drosselschlag,
Des Plätzchens süsse
Verheimlichung,
Weckt oft des Herzens
Erinnerung.

Wie ist die Stelle
so hold umgränzt,
Von Blumen duftend,
Von Wald umkränzt!
So recht dem Auge
Der Himmelsrand,
So herzgenügend
Das Friedensland!

Hervor aus Schatten
Und Blüthenhang,
Stiehlt sich das Bächlein
Den Rain entlang.
Nur an dem Flattern
Im Abendglanz,
Merkt man die Welle
Verschwiegnen Tanz.

Auf sanftem Rasen
Ein Lagerraum,
Wie auserkoren
Zu wachem Traum,
Zu süssem Schwärmen
So süss, so traut!
So tief im Rücken
Der Menschen Laut!

Liebt ihr, Geliebte,
Die ich verlor,
Sucht ihr die Stelle
Noch wie zuvor,
Das Thal am Berge,
Das, weit entrückt
An ferner Küste,
Mich heut entzückt?

Vom Gartenfenster,
Zu dicht umlaubt,
Winkt euch so sehnlich
Der Berge Haupt.
Ihr dürft nicht weilen,
Es winkt so schön,
Es lockt, es dränget
Hinauszugehn.

Ihr nehmt die Stäbe,
Ihr flieht das Haus,
Zu euren Bergen
Wallt ihr hinaus.
Die Jugend schwärme
Im Lustgewühl.
Schon sinkt die Sonne,
Der Tag wird kühl.

Es rauschen Tritte
Dem Berg heran.
Es naht ermüdet
Ein Wandersmann.
Kennt ihr den Fremden?
Er kommt daher
Zu euch, Geliebte,
Vom fernen Meer.

O schöne Stelle,
Durch Wiedersehn
Vertrauter Herzen
Gedoppelt schön!
Erblüh; im Lenze,
Geliebter Raum!
Nicht alles Träumen
Ist bloß ein Traum.

Es ruht, ihr Guten,
Im Götterschooß
Noch unerwartet
Manch Freudenloos.
Es reift hienieden,
In Trug und Leid,
Doch manches Sehnen
Zur Wirklichkeit.

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