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2019-01-26

Gedichte von Karl Lappe: Trinkgelag (5)




Das Trinkgelag

Kommt zum jubelreichen Feste,
Kommt heran, gewünschte Gäste,
Schlingt den trauten Bruderreihn!
Lasset Wolf und Kant zu Hause!
Evan ladet uns zum Schmause.
Vater Evan spendet Wein.

Nicht gespart der edlen Gaben!
Fülle muß der Trinker haben.
Wälzt den Anker auf den Tisch!
Bis dem Boden wir gesehen,
Sey es Schimpf hinweg zu gehen;
Auf, zum Werke! Brüder, frisch!

Kommst du selber, Fürst der Zecher!
Dieser große Doppelbecher
Soll für dich gesparet seyn.
Komm, den Thyrsus hier zu führen!
Evan, du sollst präsidiren.
Dir gebührt dies Amt allein.

Dies Gelag wird ohne Gleichen,
Ha! In allen deinen Reichen
Ward noch nie so brav gezecht!
Auserles' ne Assessoren
Haben wir zum Fest erkoren,
Vielversucht und schulgerecht.

Nun den Willkomm, theure Brüder!
Auf und thut Bescheid mir wieder!
Seht, ich hab' es gut gemeint!
Evan, Evan, dir zu Ehren,
Bruder Evan! Sey mein Freund!

O wie duftet das Getränke!
Sey nun wacker, braver Schenke,
Rücke näher zu mir her!
Sieh, ich bin ein scharfer Zecher,
Komm, wir lassen diesen Becher,
Ich nicht voll und du nicht leer.

In des Hades öden Schlünden
Soll ein Zauberbach sich winden,
Der dem Brand der Seele kühlt,
Der zu seligem Vergessen,
Alle Sorgen, die uns pressen,
Leicht wie Schaum vom Herzen spühlt.

Brüder, diese Wunderwellen
Sprudeln aus der Bowle Quellen,
Oder alles ist Gedicht!
Eilt denn ihr, mit bleichen Lippen,
Lethe's Tropfen einzunippen,
Schatten, euch beneid' ich nicht!

Aber neidet uns, wir dürfen
Nicht erst dort die Woge schlürfen
Lehte, Lehte, um und um!
Brüder, laßt uns Runde trinken!
Eh die lezten Sterne sinken,

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