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2019-01-20

Gedichte von Robert Hamerling: Romanze aus Neapel (14)





Romanze aus Neapel



Die schöne Königin der Nacht
Entrollte den Sternenfächer;
Es liegt das Meer in ruhiger Pracht,
und taghell glänzen die Dächer.

O Napoli, du selige Stadt,
Wie blinken deine Zinnen!
Wie winkst du mit schimmernder Berge Grat
Den wonnig entzückten Sinnen!

Gebreitet in den unendlichen Raum
Erscheint den trunknen Gedanken
Der Sternenhimmel ein Weihnachtsbaum
Voll glitzernder Sprossen und Ranken.

Es hängen die Sterne wie Nüsse dran,
Vom blanken Silber umflittert;
Tief unten erstaunt der Meeresplan,
Von Strahlenwonne durchwittert.

Und siehst du das duftige Felseiland,
Dort wo zur Serenade
Die Wellen rauschen im goldnen Sand
An Capris Felsengestade?

Und siehst du verklärt von Zauberschein
Die lauschige Grotte blinken?
Dort, Liebchen, wollt’ ich, wir zögen ein –
Schon seh’ ich die Meerfei Winken.

 Da wogt mit lieblichem Schmeichellaut
Das Meer durch die Felsenhalle
Und flutet und ebbt und schimmert und blaut
Um die Pforte mit lustigem Schwalle.

Es umloht die Glut, die befeuchtende,
Den Kahn im blauen Reviere,
Das Ruder umstäuben leuchtende
Demanten und Saphire.

Mit dir in jenes Zauberreich,
Vom blauen Schimmer umflossen,
Träum’ ich mich hin, im Kahne weich
Von deinen Armen umschlossen.

Da wiegt die Liebe, du liebes Kind,
Uns zwischen Himmel und Erde.
Wir fragen, ob wir schon oben sind,
Entrückt der ird’schen Beschwerde?

Denn wo beginnt die Meeresflut,
Wo endet der Ätherbronnen?
Ist alles doch in eine Glut
Hold ineinander geronnen.

Dann kräuselt sich plötzlich der blaue Golf,
Wo so ruhig die Wellen schliefen;
Und es regt sich der grimme Wasserwolf
In seinen graulichen Tiefen –

Horch, wie der Wind in die Segel pfeift,
Horch, wie er mit keckem Finger
Tief in die Wogenharfe greift,
Ein toller Minnesinger!

Und es tanzen die Wogen ihr wildes Spiel
Und es wälzt ihre heulende Rotte
Sich gegen der Liebe schönes Asyl
Die blauende Wundergrotte.

Wir drinnen aber, wir merken’s nicht:
In den Armen des Wonnetraumes
Ruhn wir, geblendet von Glück und Licht,
Auf den bräutlichen Rosen des Schaumes;

 Und wie der Blumenglocke Raum
Oft bringt in duftigem Grunde
Zwei Falter und ihren Liebestraum
In maienseliger Stunde –

Reißt auch die Blume der Sturm dahin,
Die Falter merken und wissen
Es nicht – so sterben mit Göttersinn,
An des Abgrunds Arme gerissen,

Wir Liebende, noch von Rosen umsprüht
Und von blauen Funken umstoben,
Und sinken hinunter, selig erglüht,
Vereint in des Sturmes Toben.

So, Liebste, so möcht’ ich den schönsten Tod,
Den Tod der Liebe, sterben.
Sind Tod und Liebe doch Morgenrot
Dem ird’schen Lose, dem herben.

Es krönt das sterbliche Menschengeschick
Im düsteren Weltgetriebe
Mit einem himmlischen Augenblick
Der Tod nur und die Liebe.

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