> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Robert Hamerling: Um Mitternacht (18)

2019-01-24

Gedichte von Robert Hamerling: Um Mitternacht (18)






Um Mitternacht

Du liebes Kind, komm! lege das schöne Haupt
An meine Brust! Sieh, selber der Sterne Glanz
Erstarb, der Mond wich, Mitternacht zog
Zwischen der Welt nun und uns den Schleier!

Des Tages Last, Leid, quälende Sorge liegt
Nun hinter uns. Nein – ganz in den Schoos der Nacht
Versanken Raum, Zeit, Welt und Schicksal,
Rollten hinab in des Todes Abgrund!

O Liebste, sag mir's, gab es denn eine Welt?
Ein leerer Traum war's! Ach, und nur wir allein
Wir leben, wir nur lebten, träumten,
Schufen im Träume die bunte Welt uns!

Wozu auch wär' sie? Ist doch ein liebend Paar
Schon ganz die Welt, lös't ganz schon des höchsten Seins
Geheimniß. Wenn wir Herz an Herz ruh'n,
Ist er geschlossen, der Ring des Lebens!


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