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2019-01-20

Gedichte von Robert Hamerling: Schatzgräber (15)





Schatzgräber



Mitternachts im Mondenscheine
Still im Walde wandl' ich hin.
Hei, da loht auf fahlem Steine
Gold und Demant und Rubin.
Und ich fasse keck und schnelle
Was da glänzt und glüht;
Freu' mich dran in stiller Zelle,
Wie von Zauberschein umsprüht.
Weh' mir, wehe, daß, wenn lodernd
Aufersteht das Sonnenlicht,
All' der Schatz, verblaßt und modernd,
In den Händen mir zerbricht;
Daß im Schein der Morgenröte
Wie ein Traum er mir entschlüpft,
Oder gar als ekle Kröte
Schnöde mir von dannen hüpft!
Gibt es wohl, ihr Nachtgewalten,
Ein geheimes Zauberwort,
Festzubannen, festzuhalten
Solchen nachterrung'nen Hort?
Daß ein Herrliches und Reines
So vergilbt, ists Weltgeschick,
Oder wandelt's in Gemeines

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