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2019-01-28

Gedichte zum Thema Glück Teil 1








Aloys Blumauer

Das wahre Glück

Man rühmt hienieden, wie ich sehe,
Bald Freundschaft, und bald Lieb' und bald die Ehe
Uns Menschen als beglückend an,
Obgleich uns keine von den dreien
Allein ganz glücklich machen kann:
Nur der darf sich des wahren Glückes freuen,
Bei welchem sich Geliebte, Frau und Freund 
In einerlei Person vereint.


Johann Gottfried Herder

Glückseligkeit der Ehe

Auf, Liebe! Laß kein Missbehagen
Uns nehmen unsre Himmelsruh;
Was soll uns Thorensorge plagen
Und Gottes Eden schliessen zu?

Daß etwa Fürsten nicht verklären
Mit Adeltiteln unser Blut?
So glänzen wir in bessern Ehren,
Sind wahrlich edel – denn sind gut!

Wer unsern Namen nur wird nennen,
Dem soll er klingen süß und hold:
Und mancher Grosse soll bekennen,
Der Ruhm sei etwas mehr als Gold.

Und wenn uns Glückes Eigenwille
Auch keine schwere Schätze leiht;
So finden wir in Armuth Fülle,
In Mäßigung Zufriedenheit.

So oft das Jahr wird wiederkehren,
Wird es uns Segen gnug verleihn;
Für wenig Wünsche viel gewähren,
Für wenig Mühe hoch erfreun.

So lieben wir mit frohem Schritte
Uns Hand in Hand durchs Leben wett.
Die süsse Ruh krönt unsre Hütte,
Und süsse Kinder unser Bett.

Wie wird es dich, wie mich vergnügen,
Wenn um mein Knie sich jedes schlingt,
Und dich mir in den zarten Zügen
Im Lallen dich mir wiederbringt.

So schleichet uns, wie ferne Lieder,
Des Lebens Abend sanft herbei:
Du liebst in deinen Mädchen wieder,
Ich blüh in meinen Buben neu.

Joseph Freiherr von Eichendorff

Glück

Wie jauchzt meine Seele
Und singet in sich!
Kaum, daß ichs verhehle,
So glücklich bin ich. 

Rings Menschen sich drehen
Und sprechen gescheut,
Ich kann nichts verstehen,
So fröhlich zerstreut. – 

Zu eng wird das Zimmer,
Wie glänzet das Feld,
Die Täler voll Schimmer,
Weit herrlich die Welt! 

Gepresst bricht die Freude
Durch Riegel und Schloß,
Fort über die Heide!
Ach, hätt ich ein Roß! – 

Und frag ich und sinn ich,
Wie so mir geschehn?: –
Mein Liebchen herzinnig,
Das soll ich heut sehn!
Nikolaus Lenau

Verlornes Glück

Die Bäume rauschen hier noch immer,
Doch sind’s dieselben Blätter nimmer,
Wie einst in jener Sommernacht.
Wohin, du rauhes Erdenwetter,
Hast du die damals grünen Blätter,
Wohin hast du mein Glück gebracht?

Sie schritt mit mir durch diese Bäume,
Ihr gleicht kein Bild beglückter Träume,
So schön und doch so treu und klar;
Das Mondlicht ruht’ auf ihren Wangen,
Und ihre süßen Worte klangen:
»Dich werd’ ich lieben immerdar!«

Je tiefer mit den Räuberkrallen
Der Tod ins Leben mir gefallen,
Je tiefer schloß ins Herz ich ein
Den Schatz der Lieb’, dem Tode wehrend;
Doch bricht der Räuber, allbegehrend,
Zuletzt nicht auch den letzten Schrein?

Ludwig Tieck

Glück

Willst du des Armen
Dich gnädig erbarmen?
So ist es kein Traum?
Wie rieseln die Quellen,
Wie tönen die Wellen,
Wie rauschet der Baum!

Tief lag ich in bangen
Gemäuern gefangen,
Nun grüßt mich das Licht!
Wie spielen die Strahlen!
Sie blenden und mahlen
Mein schüchtern Gesicht.

Und soll ich es glauben?
Wird keiner mir rauben
Den köstlichen Wahn?
Doch Träume entschweben,
Nur lieben heißt Leben:
Willkommene Bahn!

Wie frei und wie heiter!
Nicht eile nun weiter,
Der Pilgerstab fort!
Du hast überwunden,
Du hast ihn gefunden,

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