> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte August Herrmann Niemayer: Erhebung zu Gott (14)

2019-02-17

Gedichte August Herrmann Niemayer: Erhebung zu Gott (14)




Erhebung zu Gott

Hinauf zu dir, durch den ich bin,
Dem Urquell meines Lebens!
Zwar faßt dich nicht der blöde Sinn;
Doch streb' ich nicht vergebens,
Und heil' ger wird mir die Natur,
Für mich zu dir die stille Spur.

Der Welten Bau, er ward von dir
Begonnen und vollendet;
Ich fühle dich, nah bist du mir,
Wohin der Blick sich wendet.
Auch in des Herzens Tiefen spricht
Dein Zeuge laut, und täuscht mich nicht.

O wohl mir, daß, mein Gott und Herr,
Ich dich schon hier erkenne,
Dich lieben darf, Allliebender,
Dich freudig Vater nenne!
Das hebt mich über Erd' und Zeit,
Das bürgt mir die Unsterblichkeit.

Ich kann so fest bey Freud' und Schmerz
Auf deine Güte bauen.
Es darf das umgetriebne Herz
Nur glaubend auf dich schauen,
Zu strömt ihm hoher Friede zu:
In dir allein liegt seine Ruh.

Des Lebens seligstes Gefühl
Giebt Hoffnung, Lieb' und Glaube;
Sie führen sicher an das Ziel,
Geht gleich der Weg im Staube.
Am Ziel fließt ewig klar und hell
Der höheren Erkenntniß Quell.

Dort öffnet eine neue Welt
Sich den erstaunten Blicken;
Der Sinne Nebelhülle fällt,
Die Ahndung wird Entzücken.
Dir, den er hier nur stammelnd preist,
Kommt näher dann mein sel' ger Geist.

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