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2019-02-14

Gedichte von Friedrich Rudolf Ludwig von Canitz: Lob des Tobacks (4)





Lob des Tobacks

Sonn' und Licht hat sich verkrochen,
Und die Nacht ist angebrochen,
Soll ich nun des Tages Last,
Meine Sorgen und mein Grämen,
Auf das Lager mit mir nehmen?
Nein, ich will, um meine Rast
Zu befördern, erst die Pfeiffen
Mit Toback gestopfft ergreiffen.

Unter allen seltnen Waaren,
Die man uns, in vielen Jahren,
Hat aus Indien gebracht,
Wird bey Jungen und bey Alten
Dieses Kraut den Preiß behalten,
Weil es frohe Geister macht;
Ja, biß sich die Welt wird trennen,
Wird sein stetes Opffer brennen.

Andrer Tand der Specereyen
Kan dem Leibe nicht gedeyen,
Und was ist für Angst und Noth,
Was für Kriegen und für Morden
Nach der Zeit verspühret worden,
Da des Goldes theurer Koth
Selbst in ihren eignen Haafen,
Macht die Könige zu Sclaven?

Des Toback-Krauts güldne Blätter
Sind bey manchem Unglücks-Wetter
Ein beliebter Gegen-Gifft.
Wider Pest und Leibes-Wunden,
Sind sie schon bewährt gefunden;
Und wenn uns ein Kummer trifft,
Können wir durch sanfftes Hauchen,
Sie zu unserm Labsal brauchen.

Daß die Lust und Pracht der Erden,
Und ich selbst zu nichts muß werden,
Hat mich der Toback gelehrt,
Wenn sein zarter Dampff sich zeiget,
Der hoch in die Lüffte steiget,
Und sich bald in nichts verkehrt;
Daß nun solch ein Kraut entsprossen,
Hat den Satan sehr verdrossen.

Er kan ohnedem nicht leiden,
Wenn ein Mensch in stillen Freuden
In sich selbst vergnüget ist.
Drum, des Vaters eitler Grillen
Bosen Wunsch nicht zu erfüllen,
Schmauch ich, als ein frommer Christ.
Er, und alle Welt, mag toben:

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