> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Friedrich Rudolf Ludwig von Canitz: Schertz-Schreiben an den damahligen Hoch-Fürstl..... (5)

2019-02-14

Gedichte von Friedrich Rudolf Ludwig von Canitz: Schertz-Schreiben an den damahligen Hoch-Fürstl..... (5)





Schertz-Schreiben an den damahligen Hoch-Fürstl.
Anhalt-Dessauischen Ober-Jägermeister Herrn C.H. von
Wülkenitz

1688.

Mein lieber Bruder, zürne nicht,
Daß, wann mir Zeit und Lust gebricht,
Ich nicht ans Schreiben dencke;
Du weist, daß ich dein Diener bin,
Und unterdessen meinen Sinn
Auf dich nach Dessau lencke.

Seit dem du weggereiset bist,
Spricht man allhier, ohn arge List,
Von vielen neuen Dingen.
Davon ich, nach der Meister-Art,
Und zwar in Knittel-Versen zart,
Dir etwas vor will singen.

Merckt, Christen, was der Teufel thut,
Den Morian das gute Blut
Hat Bolßwing todt gestochen;
So gehts, wann uns der Wein erhitzt,
Doch meint man, der gefangen sitzt,
Kan werden loß gesprochen.

Der Printz I*** Lobesan
Kam hier vergangnen Sonntag an,
Da er die Post gefahren
Von Dantzig an, biß nach Bernau,
Und will sich, lieber Leser, schau,
Mit einer Wittwe paaren.

So offt er den Magnet ansieht,
Der ihn so kräfftig an sich zieht,
Macht er verliebte Minen,
Und singt in dulci Jubilo;
Sonst hält er sich incognito,
Und läst sich nicht bedienen.

Fariole, welcher manche Nacht
Mit der Bassette zugebracht,
Hat Land und Banck verlassen,
Und ward von der Trabanten Schaar
Nach Sachsen, glaube mir fürwahr!
Begleitet auf der Strassen.

Des Rebenacs seinem Secret
ario es nicht besser geht
In Züchten und in Ehren,
So bald der Chur-Fürst sprach ein Wort,
Zog er in wenig Stunden fort
Warum? die Zeit wirds lehren.

Der Chur-Fürst und was Fürstlich heist,
Haben jüngst beym Raule gespeist,
Mittags zu Rosenfelde;
Allwo man hat, versteh mich recht,
Kostbar gegessen und gezecht,
Gespielet mit dem Gelde.

Die Churfürstin trägt ihren Bauch
Gesund, nach löblichen Gebrauch,
Und lernet sich drein schicken,
Daß sie, Gott geb es! ohne Scheu
Mit einem Printzen oder zwey
Uns jährlich woll beglücken.

Ihr Kammer-Juncker Hahn zuletzt
Starb, und ward zierlich beygesetzt,
Dazu viel Volck gebeten.
Der Tod von diesem armen Hahn,
Hat mancher Henne Leid gethan,
Die er noch solte treten.

Eins muß ich melden zum Beschluß
Du findest einen schönen Gruß
Allhier von meiner Frauen,
Die Fräulein Rackniz in Gebühr
Verlanget ebenfalls dich hier
Bald wieder anzuschauen.

Datum Berlin, den zwölfften Tag
Des Monats, da man erndten mag,
Im Jahre, da man schreibet
Tausend sechshundert Achtzig Acht,
Leb wohl! der sey zum Schelm gemacht,
Der nicht getreu verbleibet.

Keine Kommentare: