> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Hermann Rollett: Ein Pole (6)

2019-02-10

Gedichte von Hermann Rollett: Ein Pole (6)




Ein Pole



Im Arme seiner Tochter liegt
Ein blinder Polengreis -
Das Haupt ans junge Herz geschmiegt
In kaltem Todesschweiß.

Ich sterbe gern — was soll ich hier,
Seitdem ich schwach und blind 
O küsse mich — und drücke mir
Die Augen zu, mein Kind!

Ich hab in mancher heißen Schlacht
Mein Leben eingesetzt, —
Der Gram hat früh mich alt gemacht
Ich sterbe gerne jetzt.

Denn stiege heut zu hellem Brand
Die Flammenglut empor,
Die bald vielleicht — das Vaterland
Befreiend — bricht hervor.

Ich war in meines Alters Harm
Nicht dieses Glückes wert,
Ich hätte einen lahmen Arm
Für mein geweihtes Schwert.

Ich war für meinen starken Mut
Zu schwach in dieser Stund,
Und meiner Söhne treues Blut
Das trank der Russenhund.

Daß sie noch lebten! — alle vier
Bei Ostrolenka sind —
O küsse mich und drücke mir
Die Augen zu, mein Kind!

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