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2019-02-09

Gedichte von Justus Christian Gottlieb König: Das Vögelein (4)




Das Vögelein

Es war einmal ein Vögelein,
Das sang gar schöne Lieder
Und alle Vögel in dem Hain,
Die liebte es als Brüder,
Um war mit allen freundlich, gut,
Und hatte immer frohen Muth,
Und sang so seine Weise.

Das Vögelein gefangen ward,
Um' s lieben Brodes wegen.
Und einen Gimpel hochgelahrt,
Bekam es zum Collegen.
Merk nun auf mich, der Gimpel rief,
Wezt erst den Schnabel sich, dann pfiff
Er flugs den Marsch von Dessau.

Ei! sprach das kleine Vögelein,
Mich hat Natur gelehret.
Doch muß mein Sang auch lieblich seyn,
Weil mich das Volk gern höret,
Ich sing, wie mirs Empfindung gibt,
Bald bin ich fröhlich, bald betrübt,
Pfeif du den Marsch von Dessau.

Da irrt ihr, Nachbar euch, mit Gunst,
Was soll Natur beim Singen?-
Nur tiefes Studium und Kunst,
Kan uns in Ansehn bringen.
Weh jedem! der ins Handwerk greift,
Nicht, was ihm vorgepfiffen, pfeifft;
Dem soll die Zung man lähmen!

Das Vög' lein sang fortan ein Lied,
Das männiglich gefällig.
Des Gimpel Zorn darob entglüht;
Er war nicht mehr gesellig,
Und rupfet ihm die Flügel gar
Das Vögelein gezwungen war,
Und pfiff den Marsch von der Dessau.

Uns war ein junger Mann beschehrt,
Der sprach aus Herzensfülle
Verständlich: jeder war belehrt
Von dem, was Gottes Wille.
Dies kam vor's Consistorium,
Das hudelt ihm so lang herum

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