> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Justus Christian Gottlieb König: An die Liebe (2)

2019-02-09

Gedichte von Justus Christian Gottlieb König: An die Liebe (2)




An die Liebe

Liebe! du von Weisen selbst besungen,
Die allein das Glück des Daseyns lehrt.
Heilig mir in Rückerinnerungen,
Auch im Widerschein vom Grabe werth.

Liebe, die mit unbegränzter Milde
Dornenpfade blumigt überstreut,
Du! die selbst die traurigsten Gefilde,
Mit der schönsten Schöpfung Reiz erneut.

Du! die Engel an den Menschen bindet,
Dir entgegen jauchzet die Natur
Und den Segen deines Daseyns kündet,
Tausendstimmig Schöpfung und Natur.

Alle spricht durch dich nur eine Sprache
In der Schöpfung ungemeßnem Raum!
Ohne deinen Trost, bei jeder Klage,
Trügen wir des Lebens Bürde kaum!

Wen du dir zum Liebling auserkoren,
Wem du einmal freundlich dich genaht;
O! dem werden Freuden neu geboren,
Jedes Schrittes, den sein Fuß betrat.

Ringsum, wo sein truncknes Auge spähet,
Glänzet ihm der Liebe holdes Bild.
Freude, wenn die Sonne niedergehet,
Abendthau die Blumenkelche füllt;

Freude glüht ihm in dem ersten Strahle,
Wenn Sie kommt im purpurnen Gewand;
Und er schwelgt Natur in deinem Mahle,
Denn die Liebe führt ihn an der Hand.

Wenn ihm dann des Daseyns schönste Stunde,
Mit der Freuden Höh'sten benedeit,
Und zum erstenmal er Mund am Munde
Glühend hängt, und Kuss an Küsse reiht,

O! dann schwinden Himmel ihm und Erde,
Und es drängen sich des Herzens Schlag,
Und ihm ists, als ob sein großes: Werde,
Nun zum erstenmal der Schöpfer sprach!

Das Gefühl, dass Gott bei ihren Werden
Den Geschaffnen für einander gab,
Nur die Liebe ist das Glück der Erden,
Nur die Liebe schlummert nicht im Grab!

Und es gibt so Viele Doch, die wähnen,
Daß auch sie der Liebe Glück gefühlt,
Glauben, daß mit Mondenschein und Thränen
Und mit Seufzen auch der Weise spielt.

Freilich Göttin! bleibst du dem verhüllet!
Edel muß man-reines Herzens-seyn:
Nur dem wird die Schale vollgefüllet,
Und die Schale trocknet niemals ein!

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