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2019-02-21

Gedichte von Karl Henckell: Am Glücksrad (3)



Am Glücksrad

Einst flog es von »braunen Lappen«
Ihr, wenn sie nur wollte, so zu –
Sie fuhr mit den feurigsten Rappen
Und stand mit Reichsgrafen auf Du.

Von Polen her hatte sie Rasse,
Dazu eine Stimme so süß,
Der Pöbel blieb stehn auf der Gasse,
Das klang wie vom Paradies.

Und abends erdröhnten die Wände
Von donnerndem, wildem Applaus,
Den Jünglingen brannten die Hände,
Man spannte die Pferde ihr aus.

Das waren die Zeiten der Wonne,
Da ging es ihr märchenhaft gut,
Sie war nicht geschaffen zur Nonne,
Sie büßte ihr polnisches Blut.

Doch einen, den liebt' sie am meisten,
Das war nur ein armer Student,
Der konnte kein Mädel sich leisten,
Und Liebe, ja Liebe, die brennt.

Dem hat sie aus Liebe gesungen
Und tat es doch sonst nur für Geld,
Er sagte, das hätte geklungen
Wie die Lerche auf mohnrotem Feld ...

Die Lerche sie sank in die Rinne,
Die Welt ist ein trüber Kanal ...
Lorbeeren und goldne Gewinne –
Wann war denn das einmal?

Sie kann sich noch kaum drauf besinnen,
Es ist wie ein uralter Traum –
Die blinden Tage verrinnen
Zunichte wie Schatten und Schaum.

Ihre Stimme tot und verrostet,
Zerwühlt und starr ihr Gesicht –
Man fragt, »was die Glückspartie kostet«,
Sie sagt: »Einen Groschen – mehr nicht.«

Dann wirft sie den Kopf in den Nacken
Und horcht wie auf fernes Getrab,
Bald holt ja mit schwarzen Schabracken
Der mächtigste Reichsgraf sie ab.

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