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2019-02-26

Gedichte von Karl Henckell: Frühlingsspiel (35)






Frühlingsspiel

Der Sprengstoff flog. Doch ich flog nicht dabei.
Froh fühl' ich nur: von »Jugend« ward ich frei.
Erst scheint es Lähmung einen Augenblick,
Man wirft den Arm, man schüttelt das Genick,
Man springt behutsam über einen Graben
Und merkt, man ist noch Herr von seinen Gaben,
Setzt sich vergnügt auf einen Stein und denkt:
Der klare Wein wird langsam eingeschenkt.

O diese Lust, sein Leibliches zu strecken,
Von ungefähr sich selber zu entdecken,
Den echten Kerl mit seinem Rattenkaiser
Von Riesenwünschen, die nun leiser, leiser
Und immer leiser pfeifen, flau zu hören,
Doch nimmer mein gewitzigt Ohr betören.
Ihr schlauer Pfiff aus jeder Tonart zog
In Spalt und Schlund mich, und er log, er log!

Ich lebe noch. 's ist nicht so schlicht begriffen.
Der Rattenpfiff hat mir nun ausgepfiffen.
Und ob sie noch so majestätisch prahlen,
Bin doch der Herr von meinen Idealen.
Und ob sie strahlen noch so souverän,
Bin doch der Herr der Banner, die sich blähn,
Als wären sie die Weiser meiner Ziele,
Und sind doch meiner Finger Frühlingsspiele.

Ja, Frühlingsspiel, mit sichrer Hand geübt,
Mein Leben sei, wie sich der Tag auch trübt!
Nur einem treu im heiter-ernsten Spiele,
Nicht Volk, nicht Menschheit, keinem »heiligen Ziele«,
Nur mir treu, mir, in dessen Hirn sich zeugt
Das Ziel selbst, das so gern sich Knechte beugt ...
Frei wie ein Lichtfürst über Meer und Land
Mit Sternengold und Hermelingewand.

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