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2019-02-19

Gedichte von Rudolf Herzog: Rosen (7)




Rosen

Hundert schlanke, schwere Rosenblüten,
Vollen Früchten gleich auf schwankem Stengel,
Sanft und sehnsuchtsweich und ohne Mängel,
Meine Hände und mein Schoß behüten.

Und ich streichle ihre Blütenblätter,
Bade meine Augen in der Kühle,
Press' an Mund und Brust sie; und ich fühle
Einen Hauch wie selig Frühlingswetter.

Frühlingswetter, wie's mich fühlen lehrte
— Zeitenlos, im Lenz, im Wintertosen —
Oft der Liebste, wenn von allen Rosen
Eine Menschenrose er begehrte.

Seines Mundes Ruß auf meinen Gliedern
Zauberte auf weißer Haut im Spiele
Rosenblätter, ungezählte, viele - -
Du, o du! Könnt' ich sie jetzt erwidern.

Die ich halt' im Schoße und in Händen,
Marechal- und Zentifolienprangen:
Wie die Düfte meinen Sinn umfangen,
Welch ein sieghaft üppiges Verschwenden!

Von den Reichen streif' in süßem Hasten
Ich die Blätter, tausend, abertausend;
Line Flut umgibt mich, die nicht brausend,
Die nur schmeichelnd ladet mich zum Rasten.

Eine Woge! Welch ein wonnig Lager!
Von Gewändern frei, im Rosenmeere
Tief versteckt, ruf' ich, den ich begehre:
Deine Rose such‘, mein wilder Wager. - -

Und du stehst verwirrt und weißt nicht, welche
Meine Lippen Blumen gleichen sollen,
Und die Brüste, die du liebst, die vollen,
Sollen ragen wie zwei Rosenkelche.

Draußen lockt des Lebens buntes Treiben.
Schließ die Läden vor dem lauten Tosen.
Uns die Welt! wenn unter unfern Rosen
Du und ich auf Erden einsam bleiben.

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