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2019-02-20

Gedichte von Rudolf Herzog: Wiedersehen (10)




Wiedersehen

Erdtief im Unterstande,
Da war ein Glück geschehn,
Fernab vom Vaterlande
Ein wildes Wiedersehn.
Und schwer war uns die Junge,
Lief einst so schnell doch fort...
Mein alter, aller Junge - -!
Und nun kein ander‘ Wort.

Die Hände aber hielten
Sich elsenfest umspannt,
Bis scheue Tropfen spielten
Am starren Wimperrand.
Da sprach der eine tastend:
Warst sonst so grau doch nicht. .
Der andere lachte hastend:
Wir beide... Komm ans Licht!

Und bei dem weiten Wandern
Den Wall entlang zum Ziel,
Sah einer auf des andern
Beherrschtes Mienenspiel,
Dacht’ jeder: Ist so ferne
Das Gestern uns entrückt,
Da Sonne, Mond und Sterne
Vom Himmel wir gepflückt...?

Wir lagen in der Schneise,
Vor uns ein roter Pfuhl
Und Leichen still im Kreise,
Im Dunst der Dom von Tont.
Es ritt auf Eisenbällen
Der Tod durch Höllenglut —
Da spürten zwei Gesellen
So stark wie einst ihr Blut.

Das ließ nicht lang sich hindern,
Das sprengte rasch den Ring,
Nach Heimat, Weib und Kindern
Das heiße Fragen ging,
Nach Fahrten und Gefährten
Von mancherlei Turnier —
Die Freuden, die verjährten,
Sie wurden jung wie wir!

Auf unsrer Stirn geschrieben
Stehn Zeichen todesschwer —
Drum lieben wir und lieben
Das Leben dreimal mehr.
— Wir lagen in der Schneise,
Vor uns ein roter Pfuhl
Und Leichen still im Kreise...
Im Dunst der Dom von Toul. - -

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