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2019-02-02

Gedichte von Wilhelmine Müller: Wiegenlied (5)





Wiegenlied

für eine Mutter an ihr erstes Mädchen.
Wie die neugebohrne Frühlings-Rose
Ihres Gärtners' Aug' entzückt mit Lust,
O entzückst du liebe, kleine lose
Lächlerin! der treusten Mutter Brust!

Seh' ich dich im Morgenschimmer lächeln,
Seh' wie sich in deinem Angesicht
Grazien und holde Reize lächeln,
Wie der Glanz der Unschuld aus dir spricht;

Seh den Freund in deinen sanften Zügen,
Der die Wonne meines Lebens ist,
O! dann wallt mein Busen von Vergnügen,
Wie die Sprach' es durch kein Bild ermißt!

Schlummre sanfte, geliebte Wilhelmine,
Nichts entweihe deine süße Ruh!
Engel senden dir mit Segensmiene
Süße Träumchen von dem Himmel zu.

Noch kannst Du der Unschuld Ruh empfinden,
Sammle Kräfte, liebes gutes Kind!
Denn, wann Liebe Dich einst wird verbinden,
Und der Freiheit goldnes Glück zerrinnt;

O! dann flieht er oft, der sanfte Schlummer,
Oft in weicht uns die Zufriedenheit.-
Ach, es trübt oft banger, schwerer Kummer
Die so rein geträumte Seligkeit.

Schenkt dir nur die Vorsicht Mutterfreuden,
Wenn sich dir einst jener Zeitpunkt naht,
Sie verdrängen das Gefühl der Leiden,
Und beglänzen deines Lebens Pfad.

Ende


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