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2019-03-12

Gedichte von Carl Bulcke: Der Geiger (4)




Der Geiger

Ein stolzes, strenges Künstlerantlitz schaut
Auf eines Werkes heiteres Vollbringen.
Da horch. Ein feiner Ton. Ein fernes Klingen,
Wie einer Geige schmachtend süßer Laut.

Der Künstler sinnt und lauscht mit halbem Ohr.
Nah, immer näher dringen Ton um Töne,
Durch seine Seele rauscht des Liedes Schöne,
Woher das Lied? Er hörte es nie zuvor.

Der Künstler sinnt und sinnt. Das stille Lied
Ist mächtig in sein tiefstes Herz gedrungen,
Hat tönend eigne Stimmen wachgesungen,
Die er wie lichte Farben vor sich sieht.

Am Himmel brennt ein glühend Abendrot. —
Der Künstler lächelt: ... Ja, es ist das Leben...
Und spürt den eignen Trug doch in sich beben,
Und weiß: der stille Geiger ist der Tod.

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