> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Friedrich Adler: Einsamkeit (8)

2019-03-17

Gedichte von Friedrich Adler: Einsamkeit (8)




Einsamkeit

Am Waldesrand wird tapfer geschmaust:
Ich nehme nicht Aufenthalt,
Mich treibt es dahin, wo es braust und graust,
In den dichten, den finstern Wald.

Mich zieht es hinein in den tiefen Tann,
Wo still das Geheimnis spinnt,
Mein pochendes Herz eilt wild voran,
Und es lockt mich raunend der Wind.

Das Lachen verschwimmt, das den Wald durchbrach,
Nur langgehalten dringt
Fern noch des Hornes Ruf mir nach,
Allein auch dieser verklingt.

Und weiter treibt mich der Sehnsucht Macht,
Es stirbt des Tages Schein,
Und nun steh' ich in schwarzer Waldesnacht,
Und schauernd bin ich allein.

Und mir ist, als wär' mir genommen ganz,
Was andere Herzen erhellt,
Kein Schimmer mein von der Freude Glanz,
Kein Boden in all der Welt.

Sie streben so sicher und kerngesund
Und schaffen im Leben sich Raum,
Fest stehen sie da auf der Erde Grund:
Mein  Reich, es liegt im Traum.

Verronnen rasch ist des Lebens Frist,
Und ich nütze sie nicht, die Zeit:
Es sprengt mein Herz, das endlich ist,
Meines Sehnens Unendlichkeit.

Was will ich? Es ist mir nicht bewußt —
Doch möcht' ich in brausendem Wehn
Das Sein empfinden in voller Brust
Und dann im All vergehn.

Im All, geheimnisvoll und hehr,
Das traulich zu mir spricht
Aus dem schweigenden Wald, aus des Dunkels Meer
Und der Sterne ewigem Licht.

Keine Kommentare: