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2019-03-20

Gedichte von Johann Andreas Cramer: Ach, die zweifelnden Gedanken (1)




Ach, die zweifelnden Gedanken

Ach, die zweifelnden Gedanken:
Werd' ich treu und standhaft seyn?
Werd' ich singen? Werd' ich wanken?
Wank ich: Wird mir Gott verzeihn?
Dieser Zweifel sind so viel;
Diese suchen, Gott, das Ziel
Deines Rufes meinen Blicken
Zu verdunkeln, zu entrücken.

Die Versucher meiner Seele
Sagen: Fruchtlos, thöricht sey's
Daß ich, fromm zu seyn, mich quälle,
Allzuhoch des Glaubens Preis.
Ja so blumicht ist, so breit
Nicht der Weg der Heiligkeit,
Wie der ebne Weg der Lüste;
Ist ein Dornpfad in der Wüste.

Aber du hast auch gelitten,
Jesu Christe! nicht für dich;
Einem harten Kampf gestritten;
Der Versuchung Kampf für mich.
Meine Hülfe sey denn du!
Gieb der müden Seele Ruh!
Jede Sünde will ich hassen;
Ach, wie kannst du mich verlassen?

Meine Seele betet: Stärke
Mich, o Mittler! und du hörst.
Ruhe giebst du; ja ich merke,
Daß du Kraft und Muth gewährst.
Sey der Lüste Weg doch breit;
Schmal der Weg der Heiligkeit;
Fröhlig sey dort das Getümmel:
Deine Bahn nur führt zum Himmel.

Weicht, ihr zweifelnden Gedanken:
Werd' ich treu und standhaft seyn?
Werd' ich siegen? Werd' ich wanken?
Wank' ich: Wird mir Gott verzeihn?
Mein versuchter Mittler giebt
Hülfe jedem, der ihn liebt;
Giebt mir heilige Gedanken

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