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2019-03-23

Gedichte von Johann Andreas Cramer: Wie eine Mutter sich erbarmt (18)





Wie eine Mutter sich erbarmt

Wie eine Mutter sich erbarmt
Des schwachen Säuglings, so erbarmt
Sich dein, o Mensch, dein Gott, dein Herr,
Mit Mutterlieb' und zärtlicher.

Auf ihren eignen Armen trägt
Sie ihren Sohn, ernähret, pflegt,
Und wartet und bewahret ihn,
Um ihn zum Manne zu erziehn.

Sie fühlt es, daß sie ihn gebahr,
Und als er weint' und hülflos war,
Und Mangel hatt' einen Kraft und Luft,
Ihn stärckt aus ihrer eignen Brust.

Wie könnte sie, wenn er zum Mann
Heranwächst, fällt uns selbst nicht kann
Sich retten, seufzt und Hülfe sucht,
Vergessen ihres Leibes Frucht?

Und könnte siehs, kann Er doch nie
Vergessen Menschen, oder sie,
Wenn sie nach ihrem Fall ihm flehn,
Sie ohn Erbarmen leiden sehn.

Ach Er ist eines andern Sinns.
Du seufzest: Ach! Wer hilft! „Ich bins,
Der helfen will; vertraue mir;“
Antwortet seine Stimme dir.

Denn Er erschuf uns und erhält
Mit seiner Macht uns und die Welt;
Vom ersten Hauch an unser Gott,
Und unser Helfer bis zum Tod.

Er thut so viel für jeden, ihn
Zu seinem Himmel zu erziehn:
Kann Er uns denn vergessen? Nein!
Denn Er will unser Vater seyn!

Wie eine Mutter sich erbarmt
Des schwachen Säuglings, so erbarmt
Sich dein, o Mensch, dein Gott, dein Herr
Mit Mutterlieb' und zärtlicher.

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