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2019-03-23

Gedichte von Johann Andreas Cramer: Wohl uns, wenn wir, o Geist des Herrn (22)





Wohl uns, wenn wir, o Geist des Herrn

Wohl uns, wenn wir, o Geist des Herrn
Bekehrt und gläubig sind, und gern
Auch heilig würden; willig nun,
Was unser Gott gebeut, zu thun!

Allein des Glaubens erste Kraft,
Wie klein ist die! Wie mangelhaft
Durch tausendfache Hinderung
Der Anfang unsrer Heiligung!

Der Hang zur Sünd' in unsrer Brust,
Gewohnter Laster Reiz und Lust,
Und frohe Sünder, ach wenn die
Uns reizen, was vermögen sie!

Der Kampf der Tugend ist so schwer!
Ach! Selbstverläugnung fordert der;
Beherrschung unsrer Sinnlichkeit,
Und Muth, der selbst den Spott nicht scheut.

Anhalten sollen wir, und nie
Verführern folgen, und, wenn sie
Sanft schmeicheln oder furchtbar dräun,
Doch fest und unbeweglich seyn.

Wie leicht, wie leicht erlägen wir,
Wenn wir, o Geist von Gott , bey dir
Nicht Hülfe fänden; wärst du nicht
Der Schwachen Kraft und Zuversicht!

Den du erleuchtest und bekehrst,
Versäumst du nie, wenn er nur erst
Sich redlich, gut zu seyn, entschließt,
Getreu nur auch im Kleinen ist.

Du giebst ihm, wenn ihm Rath gebricht,
Zur Wahl des Besten stets mehr Licht;
Zum Kampf in seiner Pilgrimschaft
Stets größern Muth, und auch mehr Kraft.

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