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2019-03-22

Gedichte von Johann Andreas Cramer: Unerforschlich sey mir immer (14)





Unerforschlich sey mir immer

Unerforschlich sey mir immer
Meines Gottes Weg und Rath,
Und die Nacht sey ohne Schimmer,
Die mich hier umschattet hat!
Ist doch alles, was er thut,
Wie's auch scheine, weis' und gut.

Sollt ich das von Gott nur loben,
Wo auch ich schon Weisheit seh?
Ists nicht ein Geschenk von oben,
Wenn ich seinen Weg versteh?
Jeder frevelt, welcher klagt,
Daß im Gott mehr Licht versagt?

Soll ein Vater unterlassen,
Was dem Kinde Thorheit ist?
Engel, kühner Tadler, fassen
Das, wo du im Dunkeln bist.
Hier sollst du dem Herrn vertraun;
Lernen hier, und dort erst schaun!

Soll er deine Wünsch erheben
Zu Beherrschern seiner Welt?
Kann er heilig seyn, und geben,
Was doch Lüften nur gefällt?
Wohl uns, wenn er nicht gewährt,
Was ein thöricht Herz begehrt!

Hier in meinem Pilgerstande
Sey mein Theil Zufriedenheit;
Dort in meinem Vaterlande
Wohnt die wahre Seligkeit!
Find ich dort gewiß mein Heil,
O so sey mein Weg hier steil!

Wandelst du auf rauhen Wegen,
Meine Seele, klage nicht!
Was hier schmerzet, wird dort Seegen;
Was hier Nacht ist, wird dort Licht;
Und ich fasse Gottes Sinn,
Wenn ich ganz vollendet bin.

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