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2019-03-04

Gedichte von Karl Henckell: Ostern 1917 (74)





Ostern 1917

Und wir schritten durch Schleier, und jeder sah
Wie blind der Erde Gefild,
Und wieder hob sich auf Golgatha
Im Nebel das blutige Bild.

Und wieder bebte der Erde Grund,
Versank die Lichtwelt in Nacht,
Und die Liebe neigte sich todeswund
Und sprach: »Es ist vollbracht!«

O, die wir gewandelt in Dunkelheit
Und gelitten in Kreuz und Not,
Wir hungern nach wahrer Gerechtigkeit
Und dürsten nach neuem Gebot.

Wir recken die schaffenden Hände zum Licht
Für unser Leben und Land,
Und aus dem Schoße der Himmel bricht
Ein Strahl, der die Finsternis bannt.

Wir schöpfen die Himmel, wir schöpfen den Strahl
Aus des eigenen Volkes Schoß,
Und wir erzeugen in Krampf und Qual
Der Menschheit schöneres Los.

Und wir schreiten in stählender Lüfte Wehn
Durch der kreißenden Erde Gefild –
Und das blutende Leben muß auferstehn
In der Zukunft geläutertem Bild.

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