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2019-03-08

Gedichte von Karl Henckell: Vagabunden (99)





Vagabunden

In rauchiger Kneipe – hollaho! –
Kauern vier Vagabunden.
Ihr Maul ist frech, ihr Witz ist roh,
Sie versaufen die dämmernden Stunden.

Die Lampe schmaucht und brennt so trüb,
Als glömme sie über Leichen.
Den Kerlen ist das Zwielicht lieb,
Der Wirt muß Branntwein reichen.

Sie leeren die Gläser, der Schnaps heizt gut,
Das brennt wie flüssige Flammen –
Hei, wie siedet im Leibe das Blut!
Sie rücken dichter zusammen.

»Was nützt der Ollen das viele Geld,
Gehamstert im rostigen Kasten?
Man lebt nur einmal auf der Welt,
Zu sauer schmeckt dies Fasten.

Nicht länger lungern wir so umher,
Geknufft wie räudige Hunde,
Den Magen leer, die Taschen leer,
Elende Vagabunden.

Wir wollen Braten, Weiber und Wein ...
Was soll der lausige Bettel?
Wir schlagen dir schön den Schädel ein,
Du giftige, geizige Vettel!«

Der eine flucht, der andere grinst,
Zwei nicken schwer mit der Stirne,
Blutlache vor ihren Blicken glinst
Mit ausgespritztem Gehirne.

Hu, wie sie schwanken und torkeln hinein
Und schlürfen Blut ohn' Ende!
Der Schnaps wird Blut, das Blut wird Wein –
Sie schütteln die zitternden Hände.

»Auf morgen nacht! Verrat heißt Tod!
Wirt, auf! Wen's trifft, steht Schmiere.«
Den Himmel rändert das Morgenrot,
Lichtscheu hintaumeln die Viere.

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