> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Karl Henckell: Wandelbilder (104)

2019-03-09

Gedichte von Karl Henckell: Wandelbilder (104)





Wandelbilder

Ich habe manchen Fant gekannt,
Der zum Charakter ward ernannt.

Ich saß bei Zechgelag und Mahl,
Jungdeutschland lärmte satt und schal.

Im Parlamente war ich auch,
Da sah und hört' ich Schall und Rauch.

Oft vor der Börse stockt' mein Fuß,
Wie Lustschrei klang's, wie Höllengruß.

Aus Essen sah ich Feuer lohn,
Im Rauch geschwärzte Fäuste drohn.

Mit Trommeln und Trompetenklang
Marschiert' ich früh die Stadt entlang.

Die Mädchen spähten aus der Tür –
Hei Füsilier, hei Musketier!

Dem Landmann hab ich zugeschaut,
Wie er den Acker still bebaut.

Der Pflug ging hin und kam zurück,
Der Bauer sät und mäht sein Glück.

Bald einen schlauen Juden fand
Ich witternd schleichen auf dem Land.

Die Bäurin rang die Hände schwer –
Das Glück zieht übers große Meer.

In kahler Kammer, kampfeswund,
Ein deutscher Künstler ging zu Grund.

Grub seinem Volk der Schönheit Gold,
Drum stand er in des Mangels Sold.

Die Schönheit und die Wahrheit stehn
Im Schatten, bis sie untergehn ...

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