> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Karl Henckell: Weltenritt (109)

2019-03-10

Gedichte von Karl Henckell: Weltenritt (109)





Weltenritt

Ich sattle mir den Schimmel,
Einst Pegasus genannt,
Und reite durch Erde und Himmel,
Die Zügel in sichrer Hand.

Dem alten Dichterpferde
Ist meines nicht mehr gleich,
Sein Huf berührt die Erde,
Seine Nüster des Äthers Reich.

Der Schenkel stampft die Scholle,
Vom Hals trieft Wolkenschaum,
O traurig wundervolle
Jagd durch den Weltenraum!

Planeten seh' ich kreisen,
Gestirne blendend lohn –
Ich höre jeden leisen
Menschlichen Klageton.

In unmeßbare Weiten
Mein suchend Auge irrt –
Jede Träne fühl' ich gleiten,
Die hier geweinet wird.

Erschauernd faßt die Seele
Des großen Einklangs Bild –
Im Schmerz erstickt die Kehle:
O wundes Menschenwild!

Fand nun die fremde Stätte
Ja doch an keinem Ort,
Die mir verkündet hätte
Das letzte Lebenswort.

Die Jagdlust ist vergangen,
Todmüde wacht mein Sinn –
Ich lasse die Zügel hangen
Und trabe langsam hin.

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