> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Karl Henckell: Zwischensommer (118)

2019-03-11

Gedichte von Karl Henckell: Zwischensommer (118)





Zwischensommer

Ich habe den Sommer genossen
In selbstgenügsamer Ruh,
Den roten Vorhang geschlossen,
Drängte die Sonne sich zu.

Verstohlen spielten die Strahlen
Zum blinkenden Ofenring,
Auf rosaroten Sandalen
Die Sonne durchs Zimmer ging.

So lag ich in stillender Kühle,
So lag ich in reifender Rast
Auf golddurchwobenem Pfühle
Und habe mich selber erfaßt.

Ich habe gelauscht und getrunken
Meiner Jugend wirbelnden Gischt,
Da ist es in schäumenden Funken
Noch einmal emporgezischt.

All mein verwegenes Wollen,
All mein messianischer Mut,
Rollen hört' ich und grollen
Die glühende Willensflut ...

Ich habe den Sommer genossen
In selbstgenügsamer Ruh,
Den roten Vorhang geschlossen,
Drängte die Sonne sich zu.

Nun schüttet kristallene Bläue
Der Herbst in mein offnes Gemach,
Schwebend in eigener Treue
Schau' ich der sinkenden Sonne nach.

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