> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Maria Stona: Der Bräutigam (8)

2019-03-26

Gedichte von Maria Stona: Der Bräutigam (8)




Der Bräutigam

Mir ist, als schritt ich meinem Glück entgegen,
Schon naht der Bräutigam im Festgewand,
Die Menge neigt sich ernst auf Frühlingswegen,
Und mancher Freund greift still nach meiner Hand.

Die Glocken klingen und die Fackeln sprühen,
Und Blumen blühn in unserm Hochzeitszug,
Das ist ein Palmenglanz, ein Rosenglühen,
So viele Kränze noch kein Freier trug!

Ich nahe bleich dem herrlichen Geleite,
Wie sich's  geziemt der tief bewegten Braut,
Der Schleier flattert mir im Wind zur Seite
Und hüllt mich ein, daß mich kein Auge schaut.

Schon harrt des Paars der Priester am Altare,-
Was zögerst du, mein Bräutigam, tritt vor,
Streife die Blumen weg aus deinem Haare,
Reg' doch die Hände, hebe dich empor--

Sei nicht so still, laß deine Lippen lächeln,
Aus deinem Antlitz lösch' die Blässe fort,
Ich will mit weichen Fingern dich umfächeln,
Bist du nur erst bei mir… du sagst kein Wort-

Du hältst die Zähne und den Blick geschlossen,-
Mißfällt dir wohl mein schlichtes Hochzeitskleid,
Hat dich die schwarze Faltenflut verdrossen?
Scheint dir zu düster deiner Braut Geschmeid?

Der Priester murmelt-sieh , dem Silberkessel
Entsteigt ein Weihrauchduft im Glutenschein.
Sie singen laut. Gleich einer Himmelfessel
Schließt ihr Gebet mit ernster Kraft uns ein…

Nun sind wir ganz vereint, die Hochzeitsgäste
Spür' ich so wenig, liebster Mann, wie du,
Laß sie enteilen…. unserm Liebesfeste
Sehn stumm die dunklen Ewigkeiten zu.

Keine Kommentare: