> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Maria Stona: Narzissen (26)

2019-03-29

Gedichte von Maria Stona: Narzissen (26)




Narzissen

Ich hab' mir die Brust mit Narden gewürzt,
O komm, mein Bräutigam, komme!
Ich hab' mir die Lippen zum Lachen geschürzt,
Daß perlende Lust dir fromme.

Ein Blumenhain duftet im Hochzeitsgemach,
Blaß winken die weißen Narzissen,
Blüten, die Schmerz und Sehnsucht brach,
Sind unser Wonnekissen.

Umschling' mir die Glieder und küsse mich wild,
Ich fleh dich nicht an um Gnade,
Ich bin kein kaltes Madonnenbild,
Ich bin der Liebe Mänade.

Vor Jahren, weißt noch?-Da wollt' ich verglühn
In tausend Ängsten und Bangen,
Da deine Kraft mich flammenkühn
Zum erstenmal umfangen.

Ich hielt mich erschrocken von dir entfernt
In scheuen Schamesgluten--
Doch Liebster, seither hab' ich küssen gelernt,
Heut will ich an dir verbluten!

O komm, du selig geliebter Mann,
Zerwühl' mir die flatternden Haare,
Zerküß' mir die Brust-was liegt daran;
Ist das Hochzeitsbett auch die Bahre!

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