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2019-03-14

Gedichte von Maria Therese von Artner: An die Erinnerung (2)







An die Erinnerung



Sei mir gesegnet, Zauberspiegel,
Der die Vergangenheit verschönt!
Du zeigst geliebte Grabeshügel
Mit Immortellen uns gekrönt,
Die Freude mit gebundnem Flügel,
Den Schmerz versöhnt!

Auf unserm ganzen Lebenswege
Begleitet uns die Wirklichkeit;
Der Zukunft blühende Gehege,
Woran die Hoffnung sich erfreut,
Durchführt sie uns auf rauhem Stege;
Die Wirklichkeit.

Die Blumen, die wir hoffend brachen,
Sie blühn von Schlünden eingeengt;
Die Lauben, die uns Ruh versprachen,
Sie sind voll Dornen und versengt;
Der Silberstrom ist ohne Nachen,
Die Welle drängt.

Doch wie wir nur die Tritte heben,
Als über den durchlaufnen Pfad
Sich milde Farbennebel weben;
Was schmerzlich unser Fuß betrat,
Verschwindet, und die Fernen schweben
Voll Blumensaat.

Wer hat uns so den Schmerz entrücket?
Wer sandte jene Dämmerung,
Die Leiden deckt, und Freuden schmücket
Mit Kränzen, ewig frisch und jung! —
Dein Zauber ists, der so beglücket,
Erinnerung!




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