> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Maria Therese von Artner: Der Bach (7)

2019-03-15

Gedichte von Maria Therese von Artner: Der Bach (7)



Der Bach

Du Bach, der unter übergebogenem
Gesträuch, und weißem Glimmerschiefer, sanft
Wie Flöten aus der dunkeln Grotte
Jener bewurzelten Felswand rieselt;

An deinem Rand, der moosig und sanft sich hebt,
Vom Blätterdach vor jeglichem Späheraug'
Und Sonnenblick beschirmt, vergeß' ich
Menschen und Welt und Wunsch und Sorge.

Zu süßer Ruhe schwanken in's Gleichgewicht
Der Leidenschaften Schalen: Vergangenheit
Und Zukunft, schwinden im Genusse
Seliger Gegenwart, matt und dämmernd.

Genuß des Augenblickes! o seltnes Glück!
Dem Sterblichen, der immer mit schnellem Fuß 
Hervor strebt, bald voraus bald rückwärts
Schaut, und darüber des Weges Blumen.

Itzt übersieht, und jetzo zu Boden tritt!
O Quell, der du der Seele die Lust gewährst,
Gewißlich aus der Sel'gen Fluren
Sprudelst du aufwärts, ein Ausfluß Lethes!

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